Von Gunter Hofmann

Bonn, im Oktober

Auf den Tischen steht russischer Wodka, die Journalisten mögen sich bedienen. Aber sie bleiben bei Wasser und Saft, die Stimmung ist nicht nach Gelage. Der Verlag Pahl-Rugenstein stellt standesgemäß im Hotel "Tulpenfeld", Bonner Regierungsviertel, ein gewichtiges Werk vor: "Andrej Gromvko, Den Frieden auf Erden erhalten. Reden und Schriften."

Es herrscht eine Atmosphäre, als hätten sich zufällig ein paar Journalisten in eine geschlossene Gesellschaft verirrt. Die meisten Gesichter sieht man selten: die Gruppe jener Korrespondenten nämlich, für die es Ehrensache oder Pflicht ist dabeizusein, wenn ein Buch des sowjetischen Außenministers vorgestellt wird.

Der Botschafter der Sowjetunion, Wladimir Semjonow, nimmt an der Zeremonie teil. "Sehr geehrte Damen und Herren! Genossen! ..." Nach einer Minute unterbricht er seine Vorlesung, ein junger Mann trägt weiter vor aus dem Acht-Seiten-Text über die hervorragenden Eigenschaften des Staatsmanns, Denkers, Wissenschaftlers Gromyko, über Entspannung und friedliche Koexistenz.

Jedes Wort klingt abgewogen. Wenn der junge Mann versehentlich auch nur eine Silbe falsch abliest, korrigiert ihn der Botschafter. "... wir werden auch nicht zulassen, daß das militärisch-strategische Gleichgewicht gestört wird", liest er. "Zerstört wird", verbessert ihn Semjonow. Den letzten Absatz verliest der Botschafter dann wieder selber, die Inszenierung wirkt wie einstudiert.

Noch Fragen? Zuerst schweigt die kleine Runde. Aber dann möchte doch einer wissen, ob man Auszüge aus der "Erklärung" im Wortlaut veröffentlichen dürfe.