Nur 39 Prozent aller deutschen Familien sind zwischen 1979 und 1981 (neuere Statistiken sind zur Zeit in Arbeit) mindestens einmal gemeinsam in Urlaub gefahren.

Das ist das überraschendste Ergebnis einer kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion der SPD zum Thema Familienferien. In der Beantwortung der Anfrage stellt die Bundesregierung gleichwohl fest, daß „gemeinsamer Urlaub von Eltern und Kindern für die Gesundheit und Erholung und für die Entfaltung der Familie, aber auch für die Vertiefung der Bindung zwischen Familienmitgliedern von großer Bedeutung ist“.

Mehr als die Hälfte der 1981 daheimgebliebenen Familien bleiben aus finanziellen Gründen in den eigenen vier Wänden. Die Familien, die gemeinsam verreisen, bevorzugen als Transportmittel, weil praktischer und kostengünstiger, zu mehr als Dreiviertel den eigenen Pkw. Nur 17 Prozent aller verreisenden Familien buchen eine trotz Kinderrabatten teure Flugpauschalreise.

Noch weniger fahren mit der Eisenbahn zum Urlaubsort, lediglich 6,7 Prozent der Familien mit einem, 4,6 Prozent der Familien mit mehreren Kindern. Immerhin scheint sich die Bundesbahn in letzter Zeit etwas mehr um diesen lange Zeit vernachlässigten Kundenkreis zu kümmern und hat gerade erst für den bevorstehenden Winter den Familienpauschaltarif bei Fahrten in die Wintersportorte eingeführt.

Daß Ferienhäuser und Ferienwohnungen mit rund 37 Prozent Anteil bei Familienferienunterkünften an erster Stelle stehen, ist nichts Neues. Überraschender mag da schon sein, daß sich inzwischen wieder 21 Prozent der Familien für den lange verpönten Campingurlaub entscheiden. Die oft gescholtenen, weil manchmal familienunfreundlichen Hoteliers beherbergen immerhin noch 20 Prozent der Familienurlauber.

Viele von ihnen, genau 35 Prozent, träumen vom Urlaub auf dem Bauernhof, halten diese Ferienform zudem für besonders kindergerecht. Aber nur drei Prozent buchen dann auch wirklich beim Landwirt. Warum Wunsch und Wirklichkeit hier so weit auseinanderklaffen, sollte eigentlich ergründet werden. Zumal die Bundesregierung vorgibt, sich gerade um die Verbreitung des Urlaubs auf dem Bauernhof besonders zu bemühen und die Landwirte beim Aufbau ihrer zweiten, touristischen Existenz von ihren Verbänden und den Landesregierungen unterstützt werden.

Die staatlich geförderten Familienferienstätten werden zu 2,4 Prozent von kinderreichen Familien, nahezu überhaupt nicht mehr von Familien mit einem Kind frequentiert. In diesem Punkt täuscht die Statistik wohl gewaltig. Denn natürlich würden wesentlich mehr Familien diese Möglichkeit in Betracht ziehen, wenn das Angebot größer wäre.

Zwar nennt die Bundesregierung in ihrer Antwort an die SPD stolze Zahlen: Von 1956 bis Mitte dieses Jahres seien Bau und Einrichtung von Familienferienstätten vom Bund mit insgesamt 137 Millionen Mark unterstützt worden, hätten die Länder dafür noch einmal zwischen 1974 und 1983 111 Millionen Mark draufgelegt und gleichzeitig rund 236 Millionen Mark an Reise- und Aufenthaltskosten zugeschossen. Doch diese Zahlen, zumal verteilt über lange Zeiträume, sagen natürlich wenig. In Wirklichkeit sind in den letzten Jahren den Familienferienstätten die Mittel erheblich gekürzt worden, standen einige von ihnen sogar vor der Schließung. Willi Bremkes