Von Nina Grunenberg

San Salvador, Ende September

Am gleichen Tag, an dem sich Hans-Dietrich Genscher und seine EG-Kollegen in Costa Rica den Problemen Mittel- und Südamerikas zuwandten, unterzeichnete sein Kabinettskollege Jürgen Warnke (CSU) im benachbarten El Salvador ein Regierungsabkommen über die Wiederaufnahme der Entwicklungshilfe. Sie war 1979 nach dem Ausbruch des Guerillakrieges eingestellt worden.

Die Bedingungen, zu denen er El Salvador 50,5 Millionen Mark in Aussicht stellte, waren ungewöhnlich günstig. "Das ist praktisch eine Schenkung", rief Präsident José Napoleon waren te den Journalisten zu. Mit dreißig Millionen Mark Warenhilfe kann er sofort rechnen. Sie nur als Entwicklungshilfe zu bezeichnen, träfe den Kern der Sache nicht ganz. Praktisch sind sie ein ziviler Verteidigungsbeitrag für den schwierigen Kurs der Befriedung, den Duarte in El Salvador durchzusetzen versucht. "Es gilt", sagte Jürgen Warnke unverblümt, "Duarte Rückhalt zu geben, damit er die Parlamentswahlen im Frühjahr gewinnt."

El Salvador ist für die CDU/CSU fast zu einem Glaubensartikel geworden. So wie die SPD in Spanien und Portugal einst mithalf, den Weg von der Diktatur zur Demokratie zu ebnen, so wollen die Christdemokraten in El Salvador die Probe auf ihr eigenes Exempel machen. In Duarte, der ihnen über die christlich-demokratische Weltunion seit langem bekannt ist, sehen sie eine Schlüsselfigur auf dem ideologischen Schlachtfeld Mittelamerikas. Der Kampf zwischen den totalitären und den demokratischen Kräften entscheidet sich nach ihrer Überzeugung in seinem Land. Dem entspricht auch die Entscheidung, die Entwicklungshilfe für Nicaragua auslaufen zu lassen. Denn, so Warnke, "El Salvador und Nicaragua sind für mich grundsätzlich verschiedene Schuhe."

Bei seinem knapp zweitägigen Aufenthalt in San Salvador konnte sich der deutsche Entwicklungshilfeminister selber davon überzeugen, daß der Ausgang des Bürgerkrieges noch ungewiß ist. Präsident Duarte ist noch nicht Herr im Hause. Am konkreten Fall spürten das die Experten aus dem Ministerium, als sie versuchten, geeignete Entwicklungshilfeprojekte außerhalb der Hauptstadt draußen auf dem Lande zu finden. Die unüberschaubare Lage erlaubt das noch nicht. Weder ist die Guerilla niedergekämpft, noch hat der versprochene Dialog mit ihr angefangen. In einem Gespräch sagte Duarte, für den Dialog müsse erst noch der politische Spielraum geschaffen werden.

Aus diesem Grunde, so erzählte er, fahre er täglich "auf die Forts" zu den Soldaten, um sie vom demokratischen Weg und den Menschenrechten zu überzeugen.