Der Formel-I-Rennwagen dreht sich auf der Asphaltpiste, ein Reifen wird durch die Luft geschleudert, das Auto fängt Feuer, der Fahrer kann sich im letzten Augenblick retten.

Bildschnitt. Auf dem Fernsehscnirm erscheint jetzt das ernste Gesicht des Moderators. Er erklärt uns, was wir soeben gesehen haben und was uns in der kommenden Sendung noch alles bevorsteht.

Und dann plötzlich, wie der Blitz aus heiterem Himmel: "Guten Abend, meine Damen und Herren!"

Irgendeiner hat damit angefangen, hat die Anrede "Guten Abend, meine Damen und Herren!" weggenommen vom Beginn einer Sendung und sie mit Spätzündung ins schon laufende Programm verlegt. Und nun machen sie es alle so. Im Kulturmagazin, in der Wirtschaftssendung, in der Politik, im Sport. Erst ein paar Bilder, dann die Beensch wird geschlagen, ein Tanker in Brand gesteckt, ein Kanzler mit Eiern beworfen – und dann kommt er ins Bild, der Moderator, und aus seinem Gesicht ist abzulesen, daß er die Überraschung mal wieder für gelungen hält, wenn er zwischen forciertem Ernst und sanftem Grinsen sagt: "Guten Abend, meine Damen und Herren!"

Dieses Begrüßungszeremoniell mit Verzögerungseffekt hat natürlich auch die Hörfunk-Moderatoren nicht ruhen lassen. Und nun kommt es auch so über die Ultrakurzwellen, obwohl sie da gar keine Bilder zu bieten haben: erst der Kalauer und dann die Begrüßung: "Guten Morgen, meine Damen und Herren!" Ein Preis für Einfallsreichtum dem Moderator, der uns wieder einmal ganz am Anfang seiner Party begrüßt. Gute Nacht, Originalität! Gerhard Seehase