Defizite in der Wählergunst ersetzt man am besten durch Verzicht auf Popularität. Das ist keine Parole der Bürgerpartei in der Kommunalwahl von Schilda, sondern die hartnäckig überlebende Devise der britischen Labour Party. Ihr sagt man nach, sie finde wahre Befriedigung nur in der Opposition.

Doch davon will Neil Kinnock, vor einem Jahr zum Anführer der schwer angeschlagenen Partei avanciert, nichts wissen. Seine Rede in Blackpool war auf den Gewinn der Macht eingestellt. Der beginnt für ihn in den eigenen Reihen, denn der Parteitag macht es ihm schwer genug. Schuld an den üblen Szenen am Rande des Zechenstreiks trägt nur die Polizei, so beschlossen die Delegierten in ihrem Wunschdenken voll Halbwahrheiten. Auch die Neuregelung für die Auswahl der Parlamentskandidaten durch Beteiligung aller Parteimitglieder lehnten sie ab, obwohl dabei Kinnocks Ansehen auf dem Spiel stand. Fast schien es, als stehle Bergarbeiterchef Scargill in Blackpool die Schau samt Kulissen, Regie und Statisten.

Aber Kinnock verlegte sich aufs Kämpfen. Er verdamme alle Gewalt, sagte er, die der Steinewerfer und die der Kavallerieattacken, das unterscheide ihn von Margaret Thatcher. Von ihr und der Macht trennen ihn aber auch noch rund 140 Sitze im Unterhaus. Die zu holen, wird mühsam sein. Mit solcher Partei und nach britischem Wahlrecht ist es fast unmöglich. khw