Wuppertal

Rund achtzig Jahre alt ist die Landesfrauenklinik in Wuppertal, fast genauso alt wie die Wuppertaler Schwebebahn, aber nicht annähernd so bekannt. Doch die Klinik wird bekannter – je länger sie im Gerede ist.

Der Landschaftsverband Rheinland in Köln, dem die Klinik gehört, möchte sie abstoßen, da sie seit einiger Zeit mehr Geld kostet als einbringt. Im vergangenen Jahr betrug das Defizit allein 460 000 Mark. Zwar ist dies vergleichsweise wenig für eine Klinik, die mit 208 Betten und 1900 Geburten im Jahr zu den zehn größten gynäkologischen Kliniken der Bundesrepublik zählt und die obendrein – als einzige Lehranstalt im Rheinland – gleich achtzig Hebammen ausbildet. Doch die Stadt Wuppertal, der die Klinik mehrfach angetragen wurde, lehnte die Übernahme wegen der Kosten stets ab.

Statt selbst zuzugreifen, war die Stadt erleichtert, als sich Anfang dieses Jahres zwei konfessionelle Träger beim Landschaftsverband um die Klinik bewarben: das evangelische Bethesda-Krankenhaus einerseits und die katholischen Kliniken St. Antonius andererseits. Das Problem schien gelöst.

Doch nun ging’s erst richtig los. In einer Stadt von 400 000 Einwohnern soll die gesamte Frauenheilkunde künftig konfessionell bestimmt sein? Eine aufgeregte Diskussion entbrannte, die sich noch erhitzte, als der katholische Träger mehr Geld bot als der evangelische Konkurrent und dieser daraufhin sein Angebot zurückzog.

"Abgesehen davon, daß von nun an keine Frau mehr entscheiden kann, ob sie in einer kirchlichen oder einer nicht-konfessionellen Klinik entbinden will", erklärte die Wuppertaler Beratungsstelle von "pro familia", "wird es sehr wahrscheinlich auch in bezug auf Familienplanungsmaßnahmen problematischer werden."

Eine Lokalredakteurin schrieb in einem Kommentar: "Bei welchem anderen gesellschaftlichen Problem hat gerade die katholische Kirche in den letzten Jahren so explizit ihre Standpunkte vertreten wie bei der Frage nach dem Abtreibungsparagraphen 218 und der Diskussion um Familienplanung und Verhütung? Den moralischen Maßstab der Kirche kennt jeder. Und der soll jetzt für alle Wuppertaler Frauen gelten."