Kathedralen, die brennen oder als Schiff: die See durchpflügen, die in Kartons verpackt oder bemoost sind, denen wie gestrandeten Walen das Fleisch von den Rippen fällt, andere, in denen Glöckner hausen. Aber, sagt ihr Zeichner, der Münchner Architekt Heinz Birg, manche Blätter seien „nicht so böse oder resignierend, andere nicht so gutmütig und lustig gedacht, wie es auf den ersten Blick erscheint“. Doch fast alle, denkt man, hätten ein Geheimnis; manches glaubt man auf den ersten Blick zu erwischen, andere eröffnen sich schwer oder nie. In allen Blättern, ob sie Gebäude, Plätze, Städte, ob sie Menschen zeigen, erkennt man den hervorragenden Zeichner, der es strichelnd liebt, zu narren und zu sinnieren, Gespenster zu inszenieren und zu spotten. Heinz Birgs Buch hat den Titel „Sammtschwarz – Federzeichnungen“ (64 Blätter, 28,50 Mark). Er hat die Augen offen, er will anderen die Augen öffnen. So ist er auch gerne „mit der Kamera unterwegs, aber nicht auf der Pirsch“. Er liest dabei auf, was ihm auffällt. Das Buch, in dem er nun seine faszinierende Beute ausbreitet, heißt „Unbehaust – Photographien en passant“. Manches erzählt er, liege vor der Haustür, das meiste habe er „im Vorbeifahren mit Überraschung am Straßenrand entdeckt, auf Seitenwegen ... oder auf längst eingetrampelten Architektenpfaden“: Hütten, Ruinen, Tore, Bauzäune, Skulpturen, Schrottautos, alte Stühle, Gräber, Puppen, Fenster, Mühlen, Türen, Wände. So oft es ging, hat er seine Sujets genau en face porträtiert und ihnen so, durch die Ruhe der Symmetrie, ihre Würde gelassen – oder sie ihnen wiedergegeben (64 Zeichnungen, 93 Photos, 34 Mark; beide Bücher über den Autor: Odeonsplatz 11, 8000 München 22).