Gemessen am Commerzbank-Index lagen die deutschen Aktienkurse Ende September nur noch um 3,4 Prozent unter ihrem bisherigen Jahreshöchststand. Ein Blick auf die Tabelle „Deutsche Aktien“ läßt erkennen, daß aber längst nicht alle Papiere gleichmäßig am Wiederanstieg teilgenommen haben. So lagen VW-Aktien noch mehr als 20 Prozent hinter ihrem bisherigen Jahresgipfel. Bei BMW waren es immerhin noch mehr als 13 Prozent, bei Daimler mehr als 14 Prozent.

Auto-Aktien zählen nicht mehr zu den Anlagefavoriten, auch wenn die Konzerne versuchen, die streikbedingten Umsatz- und Gewinneinbußen soweit wie möglich durch eine entsprechende Mehrproduktion auszugleichen. Gegen Autoaktien werden vor allem konjunkturelle Bedenken ins Feld geführt. Wie lange kann der Absatzboom noch anhalten? Welche Folgen für den Pkw-Absatz wird die vom Gesetzgeber geforderte Einführung des Katalysators haben? Wenn die Auto-Aktien im September ein Kursplus von gut acht Prozent erzielten, geht dies offensichtlich auf das Konto des gestiegenen Dollars, der bei den Unternehmen zu Zusatzgewinnen führt.

Der Siemens-Kurs erreichte im September einen neuen historischen Höchststand. Hier ist der Gipfelsturm also voll geglückt. Die Siemens-Aktie zählt weiterhin zu den preiswerten Papieren an der deutschen Börse. Ob dies auch für die Nixdorf-Aktie gilt, ist in Expertenkreisen umstritten. Bei einem Kurs von 540 Mark ist das Papier offensichtlich an eine Widerstandslinie gestoßen.

Im Chemiebereich überschritt Schering für kurze Zeit die Marke von 400. Auch hier ist ein neuer Gipfel erreicht worden. Davon sind die Titel der Großchemie (BASF, Bayer und Hoechst) noch weit entfernt. Am dichtesten ist Bayer an den bisherigen Jahreshöchstkurs herangekommen. Hier fasziniert das expandierende Geschäft in den USA, wo Bayer inzwischen etwa den gleichen Umsatz erzielt wie in der Bundesrepublik.

Die BASF konnte von den drei Großchemieunternehmen im 1. Halbjahr 1984 zwar den stärksten Gewinnzuwachs buchen. Dennoch blieb der BASF-Kurs Ende September noch um zwölf Prozent unter seiner bisherigen Jahresspitze zurück. Das hat vermutlich psychologische Gründe. Die BASF als Hersteller von Formaldehyd ist zum besonderen Angriffsziel der Umweltschützer geworden und hat in dieser Position Hoechst abgelöst.

Einen erheblichen Rückstand zum bisherigen Jahreshöchststand besitzen die meisten Maschinenbau-Aktien. Nach dem Branchenindex haben sie noch rund zehn Prozent aufzuholen, wenn sie ihre bisherigen Jahreshöchststände einstellen wollen. Das ist überraschend, denn nach den neuesten Angaben der Branche geht es jetzt auch dort aufwärts. Vergleichsweise billig sind die Maschinenbauwerke allerdings nicht. Als spekulativ interessant gelten die GHH-Aktien, weil es offensichtlich gelungen ist, die Hauptbeteiligung MAN wieder auf einen Weg zu führen, der mittelfristig gewinnträchtig zu werden verspricht.

Zu den großen Verlierern dieses Jahres zählen die Aktionäre der Hamburgischen Electricitäts-Werke. Nimmt man nur den Ertrag zur Grundlage der Bewertung, ist selbst ein Kurs von 82 Mark noch überhört. Die Verschlechterung der Ertragslage geht im wesentlichen darauf zurück, daß sich die SPD-Mehrheit im Hamburger Parlament lange Zeit geweigert hat, Strompreise zu bewilligen, die eine angemessene Verzinsung des Eigenkapitals gewährleisten. Auch in diesem Jahr wird sich die HEW-Ertragslage nicht wesentlich verbessern. K. W.