Trotz französischer Erfolge im Kampf gegen die Teuerung bleibt die Inflationsdifferenz zwischen Frankreich und der Bundesrepublik mit rund fünf Prozent hoch – zu hoch. Früher oder später wird eine neuerliche Abwertung des Franc gegenüber der Mark unumgänglich sein.

Derzeit freilich drängt gar nichts. Die Mark notiert im Europäischen Währungssystem (EWS) näher beim unteren Interventionspunkt. Gleichwohl können sich die Franzosen nicht in Sicherheit wiegen. Alles hängt vom Dollar ab. Solange er stark bleibt, ist das Franc/Mark-Verhältnis von sekundärer Bedeutung. Wenn aber eines (möglicherweise fernen) Tages das Vertrauen in den Dollar sinkt, werden sich die Investoren auf die Mark, stürzen, Eine Anpassung der EWS-Paritäten ist dann unvermeidlich.

Aus diesem Grund überlegen Pariser Finanzexperten, ob es nicht von Vorteil wäre, irgendwann in freier Entscheidung den Franc abzuwerten, statt später unter dem Diktat des Marktes eine massive Minderbewertung der französischen Währung hinnehmen zu müssen. Indessen gilt in Frankreich jede Abwertung als Prestige-Einbuße. Die Regierungen warten jeweils bis zur letzten Minute, Devor sie sich ins Unvermeidliche schicken. Aber auch darauf ist die Notenbank vorbereitet. Sie hat im letzten Vierteljahr Milliardensummen an Mark angesammelt, die sie im Bedarfsfall zur Stützung des Franc einsetzen kann. Ro. W.