Roman Polanski: „Roman Polanski“

Von Siegfried Schober

In der Filmwelt, in einem Teil von ihr, wo auf große internationale Erfolge spekuliert wird, herrschen unter dem Joch des Geldes Umgangsformen, die sich kaum von dem unterscheiden, was einem zum Beispiel aus Prozeßberichten über das Zuhältermilieu auf St. Pauli zu Ohren kommt. Ein Film von Rainer Werner Fassbinder heißt ganz passend „Warnung vor einer heiligen Nutte“‚ womit der Film gemeint ist.

Es braucht eine besondere Robustheit, um in dieser Welt nicht vor die Hunde zu gehen. Jungen deutschen Regisseuren wird gern angekreidet, daß sie auf diesem Parkett, wo zwar bester Champagner fließt und gute Smokings getragen werden, aber das Gesetz der freien Wildbahn regiert, nicht zum Zuge kommen. Sie können froh sein, daß sie weitgehend nicht der Versuchung erlegen sind, sich unter diesen räuberischen Klüngel, der uns die sogenannten großen Publikumsfilme liefert, zu mischen. Sie besitzen diese Robustheit nicht, und ihre oft belächelte Sensibilität und ihr Festhalten am Backen kleiner Brötchen auf dem eigenen Herd sind wahrscheinlich doch mehr wert als ein spektakulärer internationaler Film, für den etwas anderes als nur Genie, nämlich ein sagenhaft dickes Fell und eine manchmal fast schurkische Künstler-Unternehmer-Mentalität vonnöten sind.

Wenn das altertümlich grob gezeichnet wirkt – hie die bösen Finanziers und Kapitalisten, die keinen Pfifferling auf künstlerische Originalität geben, dort der arme gebeutelte Künstler, ein Spielball der Francs, Pfunde und Dollars –, in „Roman Polanski“ von Roman Polanski wird dieses Bild in vielen Farben ausgemalt. Seit Balzac sind vielleicht in keinem Buch derart die Macht, der Zauber und der Fluch des Geldes in Verbindung mit einem Künstlerleben beschworen worden, wenn freilich Roman Polanski in der Durchdringung des Stoffs, aus dem sein Leben und seine Träume sind, weit davon entfernt ist, balzacsches Talent zu entwickeln; er hat den Stoff, aber nicht den Geist.

Als wäre es die einzige Richtschnur, die Leitplanke, die ihm die Orientierung auf seiner schlittrigen Lebensbahn gibt, zieht sich durch seine Existenz das Geld. Und man muß fast annehmen, daß auch dieses Buch allein des schnöden Mammons wegen zustande gekommen ist.

Spröder Charme, schwarzer Humor