Dieses Buch, schreiben die Herausgeber Janos Frecot und Helmut Geisert in der Einleitung ihres eigenartig schönen Bandes „Berlin – Frühe Photographien 1857-1913“, „möchte zum Spazieren einladen“. Und so haben sie ganz recht mit ihrer, Empfehlung, sich einen möglichst zeitgenössischen Stadtplan (wie die Innenseiten des Einbaudes ihn schon zeigen) zurechtzulegen oder einen alten Baedeker – und einen neuen Stadtplan von (ganz) Berlin auch. Denn das ist ja der Reiz dieser alten Bildersammlung, daß man die Stadt mit den Augen durchwandert, neugierig, leicht bewegt, und sieht, was sich auf welche Weise (oder kaum) verändert hat und was nicht mehr existiert (oder ganz anders). Die alten Photographien sind oft außerordentlich klar gezeichnet, Sonntagsbilder von großer Gelassenheit, Dokumente, die die Phantasie in Gang setzen. Wer ein Faible für Berlin hat, wird sich mit dem Blättern nicht genugtun können. Die Herausgeber freilich verschweigen nicht, daß auch Skrupel sie beschlichen hätten – aus Angst vor leichtfertigen Architekten, welche „die Geschichte als Trödelladen“ mißdeuten und die zerstörte Stadt neuerlich zerstören, indem sie sie nun, so deutlich angeregt, „unterm Ornament der Postmoderne“ begraben. Es wird hoffentlich niemanden dabei behindern, sich in die Bilder der Vergangenheit, die nur noch zum Teil welche der Gegenwart sind, zu versenken (Schirmer/Mosel, München, 1984; 272 S., 220 Tafeln, 78 Mark).