Herrad Schenk: „Die Unkündbarkeit der Verheißung“

Der Titel mißfällt mir sehr: „Die Unkündbarkeit der Verheißung.“ Die unverlierbaren Werte, unauslöschlichen Flammen und unbezwinglichen Herzen, die uns einst zu trostreicher Lektüre eingeladen haben, sind durch Äußerungen eines neuen Feiersinns ersetzt worden, der es nicht mehr so unschuldig und unerschrocken qualmen läßt, sondern den Qualm, den unentbehrlichen, feiner dosiert und teilweise versteckt hinter Worten, die, den Leser narrend, Witz und Nüchternheit ankündigen.

Aber kein noch so affiger Titel kann mir dieses Buch verderben. Eine denkende und auch gelehrte, freundliche, aufrichtige Person kommt auf einen alten, aber noch nicht ausrangierten Gegenstand zurück: die Liebe.

Herrad Schenk, die mutmaßliche Feministin, Jahrgang 1948, hält sich dabei strikt an eigene Gefühle und läßt neuere Probleme und Parolen – Unterdrückung, Selbstentfaltung und so weiter – weg. Dergleichen scheint sie als Privatmensch längst nicht mehr zu kratzen. Sie und ihr Freund sind ungefähr gleich stark oder gleich schwach. Die Hausarbeit wird ohne Knirschen aufgeteilt Getrennte Kassen: Die emanzipierte Frau läßt sich schon mal vom Staat aushalten, aber nie von einem Mann. Die Nichtehe hat sich bewährt, man will gemeinsam alt werden. Das wollen Ehepaare, meistens, auch, bei ähnlichen Gefährdungen. Der Mensch braucht ja Beständigkeit und Abwechslung, Aufruhr und Sicherungen.

Frau Schenk – korrekter: das Roman-Ich – lebt seit Jahren zufrieden und vergnügt mit Phil. Doch wenn sie jetzt „schwachsinnig lächelnd“ ihre Spiegeleier brät, denkt sie an Tiger, den ihr weniger vertrauten Liebhaber. An einen Ehemann, der seine Frau im Eigenheim nicht einzuweihen wünscht, sie eigentlich – Angst vor „Gefühlssalat“ – auch nie betrügen wollte. Er ist dann doch verführt und aufgemuntert worden, aber nicht zu sehr. Die gute, abgeschirmte Ehe wird der jungen Leidenschaft gefährlich, weil sie Lebendiges in „Kästchen“ quetscht, einer bescheidenen Routine ausliefert. Die Geliebte mosert dann so lange, bis der Liebhaber, der seine Ehe hochhält, wegtaucht

Insofern erzählt Herrad Schenk eine sehr alte, allerdings durch manchen Zeitumstand modernisierte Story. Wie es mit ihr und Phil bei rückhaltlosem Austausch und vorerst noch mäßigen Kränkungen so weitergeht, kann man nicht wissen. Tiger jedenfalls ruft wohl nie wieder an.

Liebesgeschichten