ZEIT: Die Deutschen Lebensversicherer sehen sich harter Kritik ausgesetzt. Wie stellen Sie sich zu dem Vorwurf, Ihre Kunden könnten erheblich höhere Leistungen erwarten?

Schwebler: Ich muß den Vorwurf entschieden zurückweisen. Die gemischte Lebensversicherung hat sich bis heute sowohl unter Versorgungsgesichtspunkten, als auch unter Renditeaspekten als ein sehr leistungsfähiges Produkt erwiesen.

ZEIT: Spitzenrenditen von teilweise 30 bis 40 Prozent für die Aktionäre bei einer gleichzeitig ausgeprägten Tesaurierung geben diesem Vorwurf jedoch einiges Gewicht.

Schwebler: Diese Kritik vernachlässigt die Tatsache, daß die gemischte Lebensversicherung nicht in erster Linie ein Renditepapier ist, sondern ein Instrument der Alters- und Hinterbliebenenversorgung, für Zukunftsvorsorge für die Familie überhaupt.

ZEIT: Konkret wird die Aufgliederung der bislang pauschal erhobenen Prämie in einen Risiko- und einen Sparteil sowie einen Anteil für die Dienstleistung gefordert.

Schwebler: Die gemischte Lebensversicherung bietet ein Gesamtprodukt, das aus dem vorzeitigen Todesfallschutz, der Erlebensfalleistung und einer im einzelnen Vertrag mehr oder weniger großen Zahl von Zusatzleistungen besteht. Dafür zahlt der Kunde in der Regel einen laufenden Gesamtbeitrag. Nun ändert sich aber die Relation der Beitragsanteile zueinander mit jeder Beitragsperiode, weil sich von einem bestimmten Zeitpunkt an der Risikobetrag so ermäßigt, wie der Sparanteil auch über seine Zins Wirkung für den einzelnen Vertrag Deckungsmittel aufbaut. Somit ändern sich die Beitragsanteile ständig. Eine fortlaufende Mitteilung an die Versicherten wäre nicht nur sehr aufwendig, sondern eher verwirrend als aufklärend.

ZEIT: Würde eine Prämienaufspaltung nicht zu einem stärkeren Wettbewerb unter den Versicherungsunternehmen führen? Schwebler: Lebensversicherungsverträge sind zumeist auf 20 Jahre und länger abgeschlossen. In einem solchen Zeitraum können sich auch die Kosten mehrfach verändern. Das einzelne Unternehmen ist nicht berechtigt, über den Kostenansatz hinaus Mittel nachzufordern.