Von Heinz-Günter Kemmer

Der Bochumer Fachhochschul-Dozent Hans-Georg Herzog nervt die deutsche Automobilindustrie. „Er macht alle wild“, sagt ein Mann aus der Mineralölforschung und meint damit Herzogs Bestrebungen, den Auto-Herstellern seine Kraftstoff-Rezeptur aufzudrängen. Mit Wasser im Diesel, so behauptet der Bochumer Diplom-Ingenieur, könnten unsere Autos wirtschaftlicher und vor allem umweltfreundlicher betrieben werden.

Seit nunmehr dreizehn Jahren müht sich Herzog, seine Ideen an den Mann zu bringen – bisher mit sehr geringem Erfolg. Über das Stadium sporadischer Versuche ist er nicht hinausgekommen – Großversuche der Autowerke hat es bisher nicht gegeben. „Als Versuchsträger“, so klagt Herzog, „war kein deutsches Auto zu bekommen.“ Renault half schließlich; seit Mitte 1982 tuckert Herzog mit einem R 30 Turbo-Diesel durch die Gegend, den Renault zur Verfügung gestellt hat.

Er läuft mit einem Gemisch aus Diesel und Wasser, in dem ein sogenannter Emulgator verhindert, daß sich das spezifisch schwerere Wasser auf dem Tankboden absetzt. Kennzeichen der milchfarbenen Emulsion ist, daß winzige Wassertröpfchen von wenigen tausendstel Millimeter im Dieselkraftstoff schwimmen.

Da es keine Emulsionstankstellen gibt, muß sich Herzog seinen Kraftstoff unterwegs selbst anrühren. Ein Kanister mit Emulgator und eine Mischkanne gehören zu seinem Reisegepäck. Damit ist er immerhin bis zum Polarkreis und nach Schottland gekommen. Und einer seiner Studenten kehrte in diesen Tagen von einer 1900 Kilometer langen Frankreich-Tournee zurück – mit einem dreißig Jahre alten Mercedes-Diesel, der, so steht es im Fahrtenbuch, auf 100 Kilometer weniger als acht Liter Diesel und Emulgator verbraucht hat. Wasser, das ohnehin nichts kostet, wird bei der Verbrauchsmessung nicht berücksichtigt.

Wenn es Herzog auch noch nicht gelungen ist, ein Automobilwerk zu einem Großversuch zu bewegen, so schafft er es mit einer an Penetranz grenzenden Hartnäckigkeit doch immer wieder, Versuchsbetrieb mit einzelnen Fahrzeugen durchzusetzen. So fuhr die Ruhrkohle-Tochter Bergbau AG Lippe rund zwei Jahre lang Versuche mit einem Lastkraftwagen und experimentierte auch mit einigen Motoren im Untertagebetrieb. Aber diese von Herzog angegebene Referenz erweist sich als Luftballon: „Die Versuche sind eingestellt worden, weil sich das für uns nicht eignet“, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

So weit geht Alfons Enseling, der Leiter des städtischen Fuhrparks in Bochum, nicht. Er hat seit knapp zwei Monaten einen Müllwagen mit Herzogs Emulsion in Betrieb, möchte ein endgültiges Urteil, aber erst in Jahresfrist abgeben. Eines steht für ihn freilich jetzt schon fest: Der Ausstoß von Stickoxid und Ruß werde erheblich reduziert, der Motor sei leiser. Was auch Herzog bei seinem Renault festgestellt hat: „Wenn der Motor erst einmal warm ist, läuft er leiser als jeder Benziner bis 120 PS.“