Andreas J. Meyer macht seit 27 Jahren Bücher und – Schwierigkeiten. Die ZEIT verleiht den ersten

Am Anfang war ein Nein. Der Hamburger Bankdirektor, den ein mittelloser, noch nicht dreißig Jahre alter Student um einen Kredit von fünftausend Mark bat, verband die Ablehnung solcher Zumutung mit einer Belehrung in Hanseatischer Kaufmannstradition: „Wenn Sie kein Geld haben, können Sie auch keine Geschäfte machen.“

Der Mann, der sich das Studium mit Nebenarbeiten finanzierte, macht nun schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert Geschäfte, immer noch fast ohne Geld. Und das in Hamburg.

Beim Nein der Gesellschaft zu den verlegerischen Umtrieben des Hamburgers ist es lange geblieben. Was der verlegte – war das nicht Schweinkram? Jean Genet. Ist das nicht der homosexuelle Sträfling?

Kaum gegründet, am 30. November 1957, scheint der Merlin Verlag schon am Ende. Die ersten vier Bücher, hektographierte Dramen von Genet, können im Theaterverlag vertrieben werden. Als Merlin 1960 sein fünftes Buch herausbringt, Genets Roman „Notre-Dame-des-Fleurs“, kommt es zum wichtigsten Literaturprozeß der Nachkriegszeit im Westen Deutschlands. Immerhin: Es ist das Plädoyer von Generalstaatsanwalt Buchholz, das 1962 zum Freispruch führt.

Wie kommt einer dazu, es sich und anderen schwierig zu machen? Da gibt es ein Vorbild. Als Andreas J. Meyer, geboren am 18. Dezember 1927 in Hamburg, fünf Jahre alt war, hat er erlebt, wie sein Vater „zwangspensioniert“ wurde, weil er sich als „einer der wenigen leitenden Beamten Hamburgs 1933 dem Ansinnen der Nationalsozialisten verweigerte“.

Andreas J. Meyers Lebenslauf danach gleicht dem vieler Altersgenossen: Oberschule, Krieg, Gefangenschaft. Den Berufswunsch – Architekt – muß er aufgeben. Nach Gelegenheitsarbeiten macht er eine Lehre als Verlagsbuchhändler, studiert, ist von 1950 bis 1952 als Begleiter der ersten Ausstellung des Börsenvereins in Südamerika, und arbeitet in einem Theaterverlag und am Theater.