Räuber-Philosophie

„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Staat und einer Räuberbande?“ So fragt traditionell die Rechtsphilosophie. Sie antwortet natürlich nicht „Keiner“, sondern legt umfangreich dar, weshalb die Gewalt des Staates legitim ist, die der Räuberbande nicht. Diese rechtsphilosophische Frage scheint sich auch eine New Yorker Räuberbande gestellt zu haben, antwortete jedoch „Keiner“ und begann, wie der Staat, Gewerbesteuer einzutreiben. Jahr für Jahr erpreßt sie mehrere Millionen Dollar von den Fracntfirmen am New Yorker Kennedy-Flugplatz. Getarnt werden diese Gelder als Zahlungen an angebliche Subunternehmer, die aber in Wahrheit keinen Finger rühren. Eben diese Untätigkeit ist der Zahlungszweck: Die Subunternehmer gehören dem organisierten Verbrechertum an und sollen davon abgehalten werden, den Finger (am Abzug) zu rühren. Außerdem verstehen sich die Erpresser hervorragend mit der Transportarbeiter-Gewerkschaft und tragen zum Arbeitsfrieden bei – falls sie finanziell befriedigt werden. Auch die Sondersteuerzahler geben sich philosophisch: Sie kommen immer noch billiger weg als beim Streik.

Mitläufer gesucht

Kaum einer zweifelt noch daran, daß Ronald Reagan im November für weitere vier Jahre zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden wird. Weil die hervorragenden Wahlchancen des konservativen Präsidenten die amerikanischen Börsenkurse nach oben treiben, ist das Bild des lächelnden und winkenden Reagan jetzt selbst zum Werbemittel geworden: In der Londoner Financial Times wirbt ein englischer Kapitalfonds (für Investitionen jenseits des Atlantik, versteht sich) mit Reagans Bild und den Zeilen: „Er sollte am 6. November sein Ziel erreichen. Sie sollten vor ihm ins Ziel gehen!“ – nämlich Anteile an einem American Growth Fund erwerben. Fahrkarten zur Trittbrettfahrt auf Reagans Wirtschaftslokomotive verkaufen die englischen Investment-Leute ab 1000 Pfund Sterling. Ob der Präsident ein Honorar für die Benutzung seines Konterfeis zu Werbezwecken verlangen könnte? Oder ist das Vertrauen der Anleger Honorar genug?

Zersetzung

König Fahd von Saudi-Arabien – und mit ihm die anderen konservativen Ölmonarchen Arabiens – fürchten um den Fortbestand ihrer Völker – der Grund: Immer mehr junge arabische Männer heiraten ausländische Frauen, Ägypterinnen oder Inderinnen zumeist, unverschleierte Fremde von fragwürdiger islamischer Frömmigkeit – und die züchtig verschleierten einheimischen Mädchen bleiben sitzen, während ihre importierten Schwägerinnen Sitte und Ordnung erschüttern. Das ist der Alptraum Fahds, der jetzt die Jünglinge des Landes zur Ordnung rief: „Bei saudischen Mädchen gibt es keine Probleme mit Moral und Tugend. Sie sind nicht weniger schön als Frauen irgendwo sonst auf der Welt!“ Der Rat des Königs allein ersetzt gewiß nicht den Blick hinter die Schleier.