Als müßte sich der israelische Ministerpräsident auf Zeit, Schimon Peres, vor seinem Antrittsbesuch in Washington selber Mut machen, behauptet er schlankweg: Er komme nicht als Bettler mit dem Hut in der Hand. Wirklich nicht?

Peres, der nach der Zangengeburt des neuen Kabinetts nur zwei Jahre als Regierungschef Zeit hat – danach folgt ihm der jetzige Außenminister Schamir im Amt –, möchte wie der märchenhafte Münchhausen erscheinen: wie einer, der sich selber am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht.

Aber der Sumpf, in dem Israel steckt, ist zu groß, zu tief – der wirtschaftliche Sumpf vor allem. Die Inflationsrate nähert sich bis zum Jahresende der 800-Prozent-Marke, die Devisenreserven reichen zu Einkäufen gerade noch für vierzig Tage, die Höhe der Auslandsverschuldung entspricht bereits der Höhe des Jahreshaushalts, ökonomisch kann es Israel kaum noch schlechter gehen.

Da müssen die Amerikaner, wie sonst auch, beispringen, mit zusätzlichen Zahlungen und vorgezogenen, erst für das nächste Jahr eingeplanten Hilfsgeldern. Aus keinem anderen Grund eilte Schimon Peres schon drei Wochen nach seiner Amtsübernahme nach Washington, gerade rechtzeitig vor den amerikanischen Wahlen, die noch jeden Präsidentschaftsbewerber der jüdischen Stimmen wegen gefügig machen für israelische Wünsche. Peres geht es hauptsächlich um Dollar, weniger um eine amerikanische Vermittlung beim Rückzug aus dem Libanon.

Dabei kann der Israeli den Amerikanern noch wenig an eigenen Leistungen bei der Säuberung des wirtschaftlichen Augias-Stalles vorweisen: ein bißchen Importstopp, ein paar Steuererhöhungen, hier und da eine Subventionsstreichung. Vom großen Wurf, einer Radikalkur, ist Peres – zu vielerlei Koalitionsrücksichten gezwungen – noch weit entfernt. „Unser Haus steht in hellen Flammen“, beschrieb der sonst sachlich formulierende Minister Mosche Arens die ökonomische Lage in Israel. Reagan als Feuerwehrmann?

Natürlich wird er, erst recht vor dem 6. November, Peres unter die Arme greifen. Das Datum allein ist dollarträchtig. Aber er wird sich versichern lassen, daß die Israelis künftig ihre Gürtel enger schnallen werden – und auf kostspielige Kriegsabenteuer wie im Libanon verzichten. Das wäre dann ein heilsamer Ertrag dieser bitteren Bittreise des neuen israelischen Premiers. D. St.