Eine Boeing 737 der Lufthansa mußte am vergangenen Sonntag in Frankfurt kurz nach dem Start umkehren, weil sich ein Teil der Lauffläche eines Reifens gelöst und eine Tragfläche beschädigt hatte. Sylvia Coritter war als verantwortliche Flugbegleiterin an Bord. Sie berichtet über die Minuten einer Ausnahmesituation, wie sie jeder Fluggast fürchtet.

Frankfurt a. Main

Ein Tagesflug steht in meinem Dienstplan: Frankfurt-Stockholm und zurück. Nichts Besonderes. Am Nachmittag werde ich wieder zu Hause sein.

Wir starten mit 97 Passagieren. Unmittelbar vor dem Abheben ein Signal der Gefahr: ein Aussetzer, deutlich wahrnehmbar. Die Maschine ruckt – dann sind wir in der Luft.

Mir wird unbehaglich. Nach 15 Jahren Fliegerei kenne ich alle normalen Geräusche bei take-off, und das eben war nicht normal. Meine Kollegin Angelika und ich beginnen zu spekulieren: Vogelschlag? Triebwerkausfall? Nein. Wahrscheinlich ist es gar nichts.

Der Captain’s call unterbricht unsere Überlegungen. Also doch. Ich merke, wie meine Knie weich werden. „Uns ist bei take-off wahrscheinlich ein Reifen geplatzt, das Fahrwerk läßt sich nicht einfahren. Mehr ist aus dem Captain im Moment nicht herauszubringen. Pilot und Kopilot haben alle Hände voll zu tun; die Checkliste, die sie lesen, ist nicht die normale. Immerhin: Wir fliegen.

Meine Gänsehaut glättet sich wieder. Ich höre beim Sprechfunkverkehr zu: Eines der beiden Hydrauliksysteme ist ausgefallen; wir wollen in hundert Fuß Höhe über den Tower fliegen, damit man von unten sehen kann, ob wir überhaupt noch ein Fahrwerk haben.