Teamchef Franz Beckenbauer vor dem Spiel gegen Schweden: Fußball in Deutschland ist zunächst wieder Arbeit

Von Jürgen Werner

Oh, mei, die Schweden sind eckig“ – Franz Beckenbauer, seit zwei Monaten Teamchef der Fußball-Nationalmannschaft, formulierte plastisch seinen Eindruck vom Gegner im ersten Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft am kommenden Mittwoch (17. Oktober) in Köln. Trotz der Niederlage in Mailand (0:1) gegen Italien – „sie hätten das Spiel nie verlieren dürfen“ – habe ihn die schwedische Mannschaft sehr beeindruckt.

Vor 19 Jahren, am 26. September 1965, hatte die Weltkarriere des damals zwanzigjährigen Fußballspielers Franz Beckenbauer in der Nationalmannschaft gegen Schweden in Stockholm begonnen. Mit dem ersten Qualifikationsspiel zur Fußballweltmeisterschaft 1986 in Mexiko gegen den gleichen Gegner steht Franz Beckenbauer heute am Rubikon einer neuen Laufbahn als Trainer. Die Erwartungen der Öffentlichkeit sind groß. Fans wie Fachleute fordern auch von ihm den totalen Erfolg. Ihn allein honorieren sie. Scheidet die deutsche Mannschaft in der Qualifikationsrunde aus – die Gegner Schweden, Malta, Portugal und Tschechoslowakei sind trotz ihrer erwiesenen Spielstärke im Unterbewußtsein des Fußballvolkes nur Anwärter auf Platz 2 ff – wird der Vertrauensbonus schnell verspielt sein.

„Die Argentinier haben uns gezeigt, wo’s im Weltfußball langgeht. Jeder perfekt am Ball, alle im Spiel mit Herz und Hirn dabei, keiner gab im Zweikampf Pardon“ – Franz Beckenbauer skizziert mit diesen Worten in Kürze seine Vorstellungen vom Fußball der Zukunft. Dabei fällt die Vokabel „deutsches Spiel“, und er erinnert an eine Szene aus dem Weltmeisterschaftstreffen 1974 gegen Schweden in Düsseldorf (42). Damals hatten die Schweden Anstoß gehabt, und natürlich wollten auch sie sich an die Grundregel halten, die lautet: Zu Beginn eines Spiels sollte möglichst jeder Spieler der eigenen Mannschaft einmal Ballkontakt gehabt haben, bevor der eigentliche Kampf beginnt. Doch Beckenbauer weiß noch genau: „Nach 30 Sekunden hatte der Schwarzenbeck den Mittelstürmer im Mittelkreis erwischt. Solche Paukenschläge will ich wieder erleben. Zur Sache sollen’s gehen!“

Damals schloß sich auch Franz Beckenbauer nicht aus. Er, der sonst als Ballzauberer eher zu Frack und Glacehandschuhen neigte, wurde zum Kämpfer – des Kaisers neue Masche. Beinahe symbolisch für die Wandlung des Spiels der deutschen Nationalmannschaft nach der Niederlage gegen die DDR in Hamburg (0:1) vollzog sich die Entwicklung des überragenden Individualisten und Solisten Beckenbauer zum Dirigenten, wobei diese Rolle zwei Aufgabenbereiche innerhalb der Mannschaft einschloß: die Kritik am damaligen Coach Helmut Schön und die Konsequenz des Handelns.

Die von Sepp Herberger über Helmut Schön bis Jupp Derwall – je nach Persönlichkeitsstruktur modifiziert – vertretene These, man dürfe eine Mannschaft während eines Turniers möglichst wenig ändern, wurde damals von Franz Beckenbauer als falsch erkannt und, folgerichtig, geändert. Auch jetzt will er ändern, was er als falsch erkannt hat. „Mir macht keiner was vor. Die Spieler wissen, daß ich’s ernst meine. In Frankreich, dös war a Schmarren. Quer, zurück, es wurde nicht nach vorne gespielt.“ Der Name Ernst Happel fällt. Happel war Beckenbauers letzter Trainer beim HSV, bei ihm beendete er seine aktive Lauf-