Das Sanierungskonzept für die Bundesbahn zeigt erste Erfolge

Als vor zweieinhalb Jahren Reiner Gohlke zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bundesbahn gekürt wurde, war vor allem von verfehlter Bahnpolitik, der Krise des Staatsunternehmens, Streckenstillegingen, Schrumpfkurs und Personalabbau die

Scheinbar hat sich daran nichts geändert. Auch jetzt wird um die geplante Schließung mehrerer Ausbesserungswerke gerangelt; auch heute wollen Politiker die Bahn zu Strukturpolitik in wirtschaftsschwachen Regionen mißbrauchen; auch jetzt wirft die Eisenbahner-Gewerkschaft dem Bahn-Vorstand „personellen Kahlschlag“ vor und warnt: „Unter dem Vorwand von Sanierung wird die Bahn kaputtgespart“.

Solche Angriffe vernebeln den Blick auf die Fakten. Tatsächlich ist Reiner Gohlke in den letzten zweieinhalb Jahren mit der Sanierung der Bahn ein gutes Stück vorangekommen – trotz aller Behinderung durch die Politiker. Der Fehlbetrag ist kontinuierlich gesunken, auch für 1984 wird der frühere Manager des Computerkonzerns IBM die Verluste weiter drücken. Zwar fehlt auch am Ende dieses Jahres der gewaltige Betrag von 3,3 Milliarden Mark, aber damit liegt die Bahn um immerhin rund 800 Millionen Mark besser, als noch zum Jahresbeginn erwartet wurde. Dabei muß Gohlke konstatieren, daß „der politische Druck stärker geworden ist“. Dennoch sei die Situation aber „besser, als ich bei meinem Dienstantritt erwartet hatte“.

Der Bahn-Vorstand hat nicht, wie die langen Debatten um Ausbesserungswerke und Personalabbau und Streckenstillegungen suggerieren, nur gespart, sondern der Staatsbetrieb hat sich in den letzten Jahren auch mehr und mehr dem Wettbewerb im Verkehr gestellt. Laufend wurden im Personenverkehr durch Sonderangebote neue Kunden gewonnen, beim Gütertransport ist der neue Intercargo-Dienst eine attraktive Alternative zum Lastwagen.

Die Rationalisierungen aber, so wird Gohlke nicht müde zu betonen, sind notwendig, um im Wettbewerb bestehen zu können. Er will deshalb auch an seinen Plänen festhalten, selbst gegen den Widerstand der Politiker. Wer die Bahn für andere Aufgaben, etwa die Strukturpolitik, einsetzen wolle, der müsse dann auch bereit sein, dafür zu zahlen.

Gleichzeitig will der Bahnvorstand das Angebot des Schienenverkehrs weiter verbessern. Im nächsten Jahr, wenn die Eisenbahn 150 Jahre alt wird, soll der erfolgreiche Intercity-Verkehr schneller werden. Außerdem ist geplant, in Zusammenarbeit mit Linien- und Pauschal-Fluggesellschaften einen Zubringerdienst zu allen deutschen Flughäfen zu organisieren. Der „Zug zum Flug“ soll mit einem Einheitstarif Autofahrer zum Umsteigen locken.