Von Gunhild Freese

Der Größte zu sein, so hatte Hans Reischl, Vorstandsvorsitzender der Rewe-Zentral AG, in diesem Frühjahr nonchalant erklärt, als er den Jahresabschluß 1983 präsentierte, das sei zwar alles andere als Anlaß zur Traurigkeit, "aber auch kein Grund zum JubilierenDoch ganz unerwähnt lassen mochte er die Tatsache auch nicht: Im vergangenen Jahr hat die Kölner Rewe-Gruppe, die ewige Zweite unter den deutschen Genossenschaftshändlern, endlich die Nummer eins, die Hamburger Edeka, überholt. Die "große Schwester" sei damit nur noch "die ältere".

Doch nicht die klassischen Genossenschaftsläden waren es, die Rewe auf Platz eins gehievt haben. Den Wachstumsschub – allein im letzten Jahr kletterten der Zentralumsatz über dreizehn und der Einzelhandelsumsatz der Gruppe sogar um dreiundzwanzig Prozent – holten sich die Kölner von außen: durch Firmenaufkäufe, Kooperationen und Beteiligungen. "Aus der einstigen Selbsthilfeorganisation", so kommentierte jüngst die Frankfurter Allgemeine Zeitung, "die nicht zuletzt als Antwort auf das Vordringen der Filialbetriebe gegründet worden war, ist heute eine Organisation geworden, bei der nun Filialisten Zuflucht suchen."

1926 hatten sich sechzehn Einkaufsvereine zur Rewe Vereinigung der Lebensmittel-Großhandelsgenossenschaften von Rheinland und Westfalen zusammengeschlossen, um künftig besser und günstiger einkaufen zu können. Doch in dem schnellen Strukturwandel im Lebensmittelhandel der Nachkriegszeit kamen die Genossen ins Hintertreffen. 1969 schließlich nahmen sie Abschied von der Tradition: Die Zentralorganisation ließ sich von der Generalversammlung der Genossen mit größeren Führungskompetenzen ausstatten. Schon damals galt es, der "Konkurrenz der Großbetriebe und anderer Machtkonzentrationen im Handel mit adäquaten Mitteln zu begegnen". Die Umwandlung der Zentralorganisation in eine Aktiengesellschaft 1972 war da nur konsequent. Damit war der Weg frei für Firmenübernahmen und -beteiligungen.

Nach außen kaum zu unterscheiden von einem der straff geführten Großfilialisten im Einzelhandel mischte die Kölner Genossenschaftszentrale seither stets mit, wenn Handelsfirmen zum Verkauf standen und Lebensmittelketten neue Lieferanten suchten.

Vor elf Jahren übernahmen die Kölner Genossen zwei kleinere Verbrauchermarktketten im Raum Frankfurt-Hanau und schufen sich damit neben dem angestammten Kölner Revier einen zweiten regionalen Schwerpunkt.

Im gleichen Jahr schloß sich die Kölner Discountladen-Gruppe "Für Sie" der Rewe an.