Selten waren Uniformen und Waffen so reich und schön verziert wie in der napoleonischen Zeit“, sagt Maître Louis-Eugéne Prost. Wir stehen in einem der Räume des „Musée Napoleonien d’Art et d’Histoire Militaires“ der Stadt Fontainebleau. Maître Prost ist der Konservator. jeden, der sein Reich betritt, beobachtet er genau. Sieht er Interesse oder sogar Bewunderung, dann erklärt er den Besuchern sein kleines, schönes Museum sehr gern selbst.

Wenn er erzählt, dann funkeln seine Augen begeistert, und man merkt sofort, daß dieser lebendige, energische Herr über siebzig kein gewöhnlicher Museumsdirektor ist. Bei aufmerksamem Zuhören und Nachfragen erfährt man, daß die meisten der ausgestellten Stücke vom Maître und seinem Vater zusammengetragen wurden. Maître Prost ist Sammler und gesteht freundlich lächelnd, daß echte Sammler die gefundenen Schätze nicht nur egoistisch für sich behalten, sondern sie auch sehr gern anderen zeigen.

Daß er leidenschaftlicher Sammler von Waffen und Zubehör wurde („1. und 2. Empire, weil sie am schönsten sind“), kam ganz von selbst. Er begleitete als kleiner Junge seinen Vater bei der Suche nach alten Waffen. Sein Vater war Fechtlehrer der Militärschule der Garnisonsstadt Fontainebleau. „Wer beim Fechten mit Waffen umgeht, beschäftigt sich auch mit der Geschichte. Eins kommt zum anderen.“

Außer der Sammelleidenschaft hat Maître Prost vom Vater auch den Beruf übernommen. Er wurde wie er Fechtlehrer und Fechtmeister, er wurde Maître. 1936 holte ihn der ägyptische König Faruk auf die Militärschule nach Kairo. Nasser und Sadat gehörten zu seinen Schülern. Nach dreizehn höchst interessanten Jahren kam er nach Frankreich und zu seiner Sammlung zurück.

Zuerst eröffnete er in seinem eigenen Haus in Fontainebleau ein kleines Museum. Dann kaufte die Stadt Fontainebleau die Sammlung, ergänzte sie, das heutige „Musée Napolien“ entstand. Es ist das drittgrößte Militär-Museum Frankreichs.

Uniformen, Helme, Säbel, Gewehre, Pistolen, Zubehör, Musikinstrumente, Sattelzeug, im ganzen 3500 Einzelstücke und 100 vollständig ausgerüstete Puppen zeigen hier anschaulich die Geschichte der napoleonischen Soldaten. Schulklassen sind die Besucher genauso wie Liebhaber von Militärischem aus aller Welt. Auch ausländische Politiker, zu Gesprächen in Paris, machen gern einen Abstecher in diese stille Villa, abseits vom großen Reisestrom.

Die schönste Waffe ist ein Degen aus massivem Silber. Bonaparte trug ihn als Konsul und schenkte ihn später seinem Marschall Ney. Den Hut vom Empereur (am 23. April 1809 in der Schlacht von Regensburg getragen und im Gefecht verloren) hat Maître Prost bei den Nachfahren des Offiziers gefunden, der diesen schwarzen Zweispitz aufhob und behielt. Das ungewöhnlichste Stück der Sammlung ist wohl die Puppe des Hofschneiders Chevallier, der auf diesem Mannequin die prachtvollen Uniformen des ungeduldigen Kaisers Napoleon I. anprobierte. Renée Falcke

Musee Napolien d’Art et d’Histoire Militaires 88, rue Saint-Honore F-77300 Fontainebleau, Tel. 422-49-80