Nicht nur immer mehr Touristen aus dem Westen besuchen Ungarn, auch immer mehr Ungarn zieht es zu einer Urlaubsreise in den Westen. Seit Januar gibt es neben den staatlichen Agenturen nun auch ein halbprivates Reisebüro.

Fast vier Millionen Ungarn machten im vergangenen Jahr Urlaub im Ausland. Knapp eine halbe Million wählte ein Ziel in nichtsozialistischen Ländern. Im laufenden Jahr werden diese Zahlen noch einmal ansteigen, denn knapp zwei Millionen Ungarn waren im ersten Halbjahr, also bevor die Feriensaison richtig losging, im Ausland. 239 000 zog es zum Ferienmachen in kapitalistische Länder.

Einmal im Jahr darf ein ungarischer Staatsbürger eine private Urlaubsreise in den Westen antreten. Mehrere staatliche Reiseunternehmen bieten den reisewilligen und zahlungskräftigen Magyaren Urlaub im Ausland an. So schickt Malev Airtours, Tochtergesellschaft der ungarischen Fluglinie und daher auf Flugreisen spezialisiert, im Oktober eine Reisegruppe nach Mexiko, eine Thailand-Reise ist bereits ausgebucht.

Flug- und Busreisen hat der jüngste ungarische Reiseveranstalter OTP-Penta Tours im Programm. Besonderheit des Unternehmens: Es gehört zu 40 Prozent einer privaten österreichischen Firma, zu 60 Prozent der ungarischen Landessparkasse (OTP). Der österreichische Partner Penta Tours ist ein Incoming-Veranstalter, das heißt, er bietet Ungarn-Programme unter anderem deutschen und amerikanischen Reiseveranstaltern an. 1500 Reisegruppen, rund 60 000 Personen, reisen jährlich unter der Betreuung von Penta Tours nach Budapest oder in die Pußta. Die Hälfte der Devisen, die die Firma so erwirtschaftet, darf sie auch wieder außer Landes bringen – indem sie Reisen für ungarische Staatsbürger anbietet.

Renner im Programm des Unternehmens war eine dreitägige Wien-Reise. 40 Termine waren innerhalb von drei Tagen ausverkauft. Der Katalog von OTP-Penta Tours, der zum Großteil auf Angeboten von Touropa Austria basiert, präsentiert klassische Feriengebiete wie Kreta und Gran Canana, Teneriffa und Tunesien, Portugal und Sizilien. Sehr groß, so der Veranstalter, war die Nachfrage nach einer Spanien-Reise, dem Besuch der Opernfestspiele in Verona und einer USA-Reise. Für den Winter werden eine Rundreise durch Marokko oder Urlaub in Kenia samt Safari angeboten. Die Reisen werden in Forint ausgeschrieben, können aber auch in Schilling bezahlt werden.

Bereits 4000 bis 5000 Ungarn hat das Unternehmen, das den staatlichen Betrieben Konkurrenz machen soll, verschickt. Gebucht werden können die Reisen vorläufig in 28 OTP-Filialen, 150 bis 200 sollen es einmal sein, hoffen die Organisatoren. Drei Leute sind nur damit beschäftigt, die Visa für die reisefreudigen Ungarn zu besorgen, deren westliches Lieblingsziel noch immer Österreich ist. K. u. k. ist nicht nur Geschichte.

Das gilt auch vice versa. Hungar-Hotels, Ungarns größte Hotelkette mit 48 Häusern im Land, hat sich jetzt auch in Wien etabliert. Das Vier-Sterne-Hotel am Rennweg ist das erste ungarische Hotel im Ausland. Der Direktor der Hotelkette allerdings träumt schon von einem zweiten Hotel im Ausland. Deutschland wäre sein liebstes Ziel, put