Von Gunter Hofmann

Bonn, im Oktober

Im kleinen Kreis klagt Hans-Jochen Vogel gelegentlich darüber, daß er von den großen Medien der Republik nicht einmal richtig bemerkt werde. Klar, er strampelt rastlos, um der Opposition Kontur zu geben und eigene Handschrift zu zeigen – und sie mokieren sich lässig über den blassen Oppositionsführer. Wenn sie nicht überhaupt schweigen.

Die Schwierigkeiten der Opposition sind das Kreuz des Oppositionsführers. An ihm bleibt es hängen, wenn die Resonanz fehlt. Wenn es andere schon nicht machen, dann muß er es eben selber sagen, wie er ist und was er geleistet hat. Vogels lapidares Selbstporträt: „Die Vogel-Manier – nicht sehr spektakulär, aber er hält den Laden zusammen und gibt eine Perspektive.“

Es gibt Kritik an Vogel, das weiß er, und er spürt es. Dann ist er nervös und gereizt. Keiner, der nicht irgend etwas an ihm auszusetzen hätte. Wer wünschte sich nicht einen sozialdemokratischen Hoffnungsträger, der von Erfolg zu Erfolg eilt?

Ungeduld und Enttäuschung, die aus dem Oppositionsalltag herrühren, aber auch skeptische Fragen, die das Temperament des Oppositionsführers betreffen, fließen unentwirrbar zusammen. Auf Vogel, den Mann an der Spitze, fällt das schärfste Scheinwerferlicht. Man sieht dann nicht nur genau seine Schwächen. Obendrein werden auch noch die geballten Frustrationen auf ihn projiziert.

Oppositionsalltag – nach zwei Jahren Fraktionsarbeit der SPD, zwei Jahre nach dem Sturz Helmut Schmidts, legte Jochen Vogel der Presse in Bonn Anfang dieser Woche eine Zwischenbilanz vor. Der Saal ist allenfalls zu einem Viertel besetzt; die Neugier hält sich in Grenzen. Auf 45 Seiten gebündelter Fleiß – versprochen, gehalten, das ist Vogels Art. Am nächsten Tag finden sich ein paar Randbemerkungen in den Gazetten.