Der Gangster Noodles hat Stil. In der Offseason mietet er ein komplettes Luxushotel, um seiner zartgliedrigen, empfindsamen Jugendliebe einen Antrag zu machen. Der Abend bedeutet ihm so viel, daß er seine Freunde zum erstenmal im Stich läßt, ihr Coup steigt ohne ihn. Und dann, nach einem schmusigen Dinner, zeigt die Angebetete plötzlich die kalte Schulter.

Sie verliert ihren mädchenhaften Reiz, der Gangster, dargestellt von Robert de Niro, seine melancholische Noblesse. Er wird zum Tier; rasend, erbärmlich in seiner erotischen Wut: Er vergewaltigt die Frau auf dem Nachhauseweg im Fond einer repräsentativen Limousine, die ein ungerührter Chauffeur steuert. Der Film suggeriert, daß die Frau es verdient und der Mann verständlicherweise die Nerven verlieren mußte.

Der Wucht der Vergewaltigung versucht Regisseur Sergio Leone die Spitze zu nehmen, indem er sie Photographien, als wäre es eine morbide Unterwäschereklame. Die pornographisch böse Knisteratmosphäre gleitet auf einmal, der Morgen graut, über in stille, weite Bilder, die Erschöpfung, Männertristesse, Meereseinsamkeit und den gesunden Duft eines Morgens nach einer üblen Nacht zeigen.

Man brauchte einen Duden voller Adjektive, um diesen Film zu beschreiben. Er dauert fast vier Stunden, er erzählt eine Gangstergeschichte aus der Zeit der Prohibition, mit Ausläufern bis in die Gegenwart, er versucht eine Reprise des Hollywood-Gangsterfilms der Ära Bogart und Cagney mit den Stilmitteln Viscontis, Fellinis, Bertoluccis und des Italowestern.

Sergio Leone, Universalgenie der Filmindustrie, will vieles. Zuviel.

Er schildert den Aufstieg kleiner Ganoven von Kindesbeinen an, ihren gewaltsamen Weg aus einer Brooklyner Slumwelt ins große Schnapsgeschäft und bis hin in die Politik. Und wie sie sich dabei verwandeln, wie aus schäbigen Dieben, die aus Not handeln, rücksichtslose Lebemänner Verden, die im Luxus schwimmen und am Ende natürlich alles verlieren.

Seine Gangster sind Märchenfiguren, harte, böse Kerls mit einem guten Kern in einer Schale, die anfangs aus stinkenden Lumpen besteht und später aus Smoking und gestärktem weißem Hemd. Leone schwelgt im Zeitkolorit, im Dekor. Alles wirkt bombastisch authentisch.