Von Hartwich Wittenfeld

In einer Informationsbroschüre des japanischen Touristeninformationsbüros heißt es: „Da die Bundesrepublik Deutschland, die Schweiz und Österreich das internationale Abkommen über die Anerkennung des internationalen Führerscheins noch nicht ratifiziert haben, können Staatsangehörige dieser drei Länder nicht mit einem internationalen Führerschein in Japan fahren. Inhaber eines deutschen, Schweizer oder österreichischen Führerscheins können jedoch einen japanischen Führerschein erwerben. Dazu bedarf es nur eines Seh- und Hörtests sowie einiger leichter Formalitäten. Weitere Einzelheiten über den Erwerb eines japanischen Führerscheins erhalten Sie bei dem Japanischen Automobilverband.“

Unsere Japanreise sollte uns auch nach Hokkaido, der nördlichen Insel Japans führen, und dort wollten wir uns in Ruhe und auf eigene Faust mit einem Leihwagen zwischen Vulkanen, Seen und Wasserfällen umherbewegen. So fragten wir folgsam beim Autoklub JAF nach Einzelheiten wegen des Führerscheinerwerbs. Kein Problem, lautete die Antwort, Touristen brauchen ihren Paß, ihren deutschen Führerschein, ein Paßbild, etwas Geld und etwas Zeit. Und die zuständige Stelle sei das Samezu Licence Department in Tokio. Nun war eigentlich nicht mehr mit echten Schwierigkeiten zu rechnen, und zuversichtlich ließen wir ein Auto reservieren.

Unser erstes Quartier in Japan hatten wir in Kamakura, eine Stunde Bahnfahrt von Tokio entfernt, in einem japanischen Gasthaus (einem Ryokan, im Gegensatz zu Western Style Hotels). Neben der Besichtigung von Tempeln und Gärten stand der Führerschein ganz oben auf unserer Programmliste. Ein Anruf beim Licence Department verhalf uns zunächst zu einer groben Orientierung; keineswegs nämlich liegt dieses Amt mitten in der Stadt, sondern ganz im Süden am Stadtrand. Man erklärte mir auch, ich müsse zum Bahnhof Shinagawa fahren, dort umsteigen in die Keihin-Line. So taten wir; aber ach, wir gerieten in die Keihin-Tohoku-Line, und die Keihin-Kyuko-Line wäre die richtige gewesen. Zurück in Shinagawa stellten wir fest, daß diese Keihin-Kyuko-Line eine Privatbahn ist, auf deren Existenz hinzuweisen die Staatsbahn sich zu fein ist.

Dennoch saßen wir bald im richtigen Zug, fanden den Weg zum Licence Department und dort den Schalter, wo man sich mit internationalen Führerscheinen befaßt. Ich mußte einige Minuten warten, legte dann meine Papiere auf den Tresen und bekundete meinen Wunsch nach einem Führerschein. Die Antwort war ebenso grob wie kurz: Erstens müsse ich eine Alien Registration Card vorlegen, und zweitens sei man gar nicht zuständig für Leute, die in Kamakura wohnen. Guter Rat muß nicht teuer sein, dachte ich mir und rief beim Autoklub an. Dort erfuhr ich, daß Yokohama zuständig sei, aber mit der Alien Registration Card sei es doch ein echtes Problem, denn das sei eine Art Personalausweis für Einwohner ausländischer Nationalität, keineswegs aber für Touristen. Einigermaßen entnervt und mutlos fuhren wir zurück in unser Ryokan.

Am nächsten Tag rief ich beim Funatamagawa Licence Department in Yokohama an. Und zu meiner Erleichterung verlangte man dort keine Alien Registration Card, wohl aber eine formlose Bescheinigung, daß wir in der Präfektur Kanagawa (rund um Yokohama) wohnten. Das war nun wieder nicht so einfach, denn der Wirt unseres Ryokan sprach fließend Japanisch und sonst nichts. So zogen wir zum Touristenbüro von Kamakura, fertigten eine Bescheinigung „To whom it may concern“ an, die versicherte, daß ich Gast im Ryokan sei. Dann baten wir die Dame hinter dem Schalter, schriftlich auf Japanisch zu erklären, wo unser Ryokan-Wirt seine Adresse eintragen sollte, wo seine Telephon-Nummer und wo seine Unterschrift. Und das tat er dann auch, obwohl er keine blasse Ahnung gehabt haben kann, was er unterschrieb.

Mit den Zügen hatte ich diesmal eine glücklichere Hand, auf Anhieb fand ich in Yokohama die private Sotetsu-Line, erreichte mit ihr bald Funatamagawa und im Gefolge eines freundlichen Einheimischen auch das Licence Department. Dieses nämlich liegt durchaus nicht im Zentrum der Stadt, und ich hatte während des langen Weges meine liebe Not, mir markante Punkte einzuprägen, die mir beim Rückweg zum Bahnhof helfen sollten. Immerhin fand ich dann gleich den Schalter für internationale Führerscheine, konnte mein Anliegen vortragen, meine Papiere vorlegen, wurde nicht weggeschickt, und die Mühlen der Administration begannen zu mahlen.