Erst sollten es drei auf einen Streich sein, die das westliche Deutschland im Herbst besuchten. Doch am Ende ist nur einer sich selbst treu geblieben, der schon seit Jahren politisch davon zehrt, daß er dem Kreml Streiche spielt: Rumäniens Staats- und Parteichef Ceausescu kommt Anfang nächster Woche in die Bundesrepublik.

Nachdem Honecker und der Bulgare Schiwkoff in einem zähen Bruderzwist mit Moskau ihren eigenständigen Westkurs nicht durchgehalten hatten, wurde zuletzt auch Ceausescus geplante Reise mit spekulativen Schlagzeilen in Frage gestellt. Der Wirbel, zu dem die traditionelle Unbescheidenheit Bukarests und das zur Gewohnheit werdende Ungeschick der Bundesregierung beitrugen, war töricht und schädlich zugleich. Denn der rumänische „Conducatorul“, der mit seiner ehrgeizigen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre bankrott gegangen ist, konnte den Rest seiner Reputation als außenpolitischer Makler an der Ost-West-Börse gar nicht durch eine Absage aufs Spiel setzen.

In Unterschätzung dieser Ausgangslage hatten die Rumänen offensichtlich geglaubt, sie könnten das Ceausescu plötzlich zugefallene Monopol, einziger Besucher am Rhein zu sein, über seinen Stellenwert hinaus vermarkten – und zwar auch gegenüber Moskau. Sie drangen auf eine gemeinsame Erklärung Bonns und Bukarests, die Rumäniens Standpunkt zur Raketen-Abrüstung widerspiegeln sollte, der wiederum mit Moskaus Position identisch ist. Außerdem wünschten die Rumänen, daß ihr Präsident auf dem Flugfeld in Köln-Wahn von Bundeskanzler Kohl – und nicht, entsprechend den Bonner Usancen, vom Chef des Protokolls – empfangen werden sollte.

Ganz offensichtlich – und zum verständlichen Ärger Hans-Dietrich Genschers – konnten unerfahrene Beamte in Bonn ihre Verstimmung über das – vor solchen Besuchen ganz typische – Pokerspiel der Rumänen nicht für sich behalten. Was mit diplomatischem Kompromiß und ohne große Spekulationen zu lösen war (jetzt empfängt Genscher den Gast am Flughafen), wurde einigen unionsfreundlichen Zeitungen zugetragen. Kommentatoren, die dem rumänischen Diktator sonst wegen jeder vagen Kritik an Moskau publizistisch auf die Schulter zu klopfen pflegen, stellten plötzlich unter dem Motto „Es muß nicht sein“ nach der bewährten Holzfäller-Höflichkeit Dreggers gegenüber Honecker auch diesen Besuch in Frage.

Bukarest reagierte pikiert, der Besuch wurde reduziert. Offen blieb am Ende nur, ob den Rumänen die verpatzte Ouvertüre willkommen kam, um im Warschauer-Pakt-Konzert nicht ganz aus dem Rahmen zu fallen oder ob sie ihren „Sondereinsatz“ am Rhein durch die Bonner Poker-Taktik einfach schlecht gelohnt sehen.

Dabei haben es Bonn und Bukarest, deren Beziehungen seit dem Scheitern der national-ökonomischen Blütenträume Ceausescus Mitte der siebziger Jahre stagnieren, durchaus nötig, nach einem besser gestimmten (und abgestimmten) Umgang zu suchen – Rumänien, um seiner Wirtschaft zu helfen; die Bundesregierung, um den 300 000 Rumäniendeutschen (von denen rund achtzig Prozent übersiedeln wollen) zu einem erträglicheren Schicksal zu verhelfen.

Durch entspannte, sachliche Gesten gegenüber Ceausescu könnte die Bundesregierung im übrigen denjenigen sozialistischen Staaten, die sie gegenwärtig als Hort des Revanchismus attackieren, demonstrativ vor Augen führen, daß es zweckmäßiger und nützlicher ist, die Bundesrepublik einigermaßen nüchtern darzustellen – wie Rumänien es als so ziemlich einziges osteuropäisches Land weiterhin tut. C.S.-H.