General Sejna, der übergelaufene hochrangige tschechische Nachrichtendienstler, gab zu, daß die vom deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel geführte Diskreditierungskampagne gegen Franz Josef Strauß vom KGB orchestriert worden ist.“ Das hatte der Verleger Sir James Goldsmith vor dem Medienausschuß der englischen Konservativen Fraktion (21. 1. 1981) gesagt und ließ es durch die Londoner Zeitschrift NOW! verbreiten.

Der Spiegel fand, Goldsmith habe damit angedeutet, daß der Spiegel vom KGB kontrolliert werde und wissentlich kommunistische Spione schreiben lasse. Und verklagte Goldsmith in London. – Mag sein, daß Goldsmith solches nicht ausdrücklich behauptet hat – man kann es aber durchaus seinem Text entnehmen. Die Worte „General Sejna gab zu“ legen nahe, daß dort eine geheime Verbindung bestehe. In Wirklichkeit brauchte man Sejna kein Zugeständnis abzuringen; der aus dem Osten Geflohene hat solches von sich aus offensiv behauptet.

Wäre es zum Prozeß gekommen, hätten vor dem Gericht – auf Antrag des Beklagten Goldsmith – alle Ostflüchtlinge von Rang darüber ausgesagt, ob der KGB wirklich den Spiegel und andere Blätter mit (richtigen und falschen) Informationen speist. Diese Zeugen wären froh und stolz gewesen, endlich ihre (begreifliche) Abneigung gegen das System zum Ausdruck zu bringen, dem sie entronnen sind. Vernehmen hätte das Gericht sie müssen, ihre Aussagen wären aber eben wegen dieser Interessenlage wenig wert gewesen.

Goldsmith hat das wohl gespürt, und seine Anwälte werden es ihm gesagt haben. Deshalb erklärt er nunmehr: „Das bedeutet nicht, daß die betreffenden Publikationen oder Journalisten sich wissentlich daran beteiligt hätten oder daß sie sich bewußt waren, daß ihre Ansichten manipuliert und von den Sowjets für ihre Zwecke benutzt wurden.“

Daraufhin verglich sich der Spiegel mit Goldsmith und zog seine Klage zurück. Dies benutzt Goldsmith jetzt, in ganzseitigen Anzeigen in England (Daily Telegraph, Guardian, Times, Financial Times) und in Deutschland den Anschein zu erwecken, der Spiegel habe hier eine Niederlage erlitten. Die Anzeige in der Welt bringt den Inhalt des Vergleichs unter der Überschrift „DER SPIEGEL als Opfer von Propagandatechniken des KGB“. Dazu eine Erklärung von Goldsmith mit der Überschrift „Sieg für die Verteidigung des Westens“.

Die englischen Blätter haben Überschrift und Goldsmith-Erklärung nicht gebracht; ich finde sie bedauerlich und anfechtbar.

Natürlich versucht der KGB, seine wahren und falschen Behauptungen überall zu verbreiten. Natürlich nehmen alle großen Blätter solche Behauptungen zur Kenntnis. Aber jeder weiß, daß zwischen den KGB-Behauptungen und den Lesern gewissenhafte Redaktionen stehen, die jede Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Behauptungen, die vom KGB stammen Könnten, begegnen dabei scharfem Mißtrauen.