Von Irene Mayer-List

ZEIT: Herr Minister Dollinger, Sie haben im Kabinett einen Großversuch in Sachen Tempolimit beschlossen. Was soll unternommen werden, wann wäre mit Ergebnissen zu rechnen?

Dollinger: In Deutschland gibt es allein 329 Pkw-Modelle aus eigener Produktion mit jeweils mehreren Motorvarianten. Davon werden bis jetzt 37 mit Katalysator ausgerüstet. Hinzu kommen die zahlreichen Altmodelle und die Importwagen. Wenn man ein umfassendes Bild haben möchte, muß man natürlich den ganzen Pkw-Bestand durchtesten. Praktisches Beispiel: Wenn Sie einen kleinen Wagen haben, der 120 Stundenkilometer in der Spitze läuft, dann hat der natürlich bei Tempo 100 einen ganz anderen Schadstoffausstoß als meinetwegen ein Wagen von 2,5 Litern, der normalerweise die vernünftigste Drehzahl bei 130 oder 150 Stundenkilometern erreicht. Das sind natürlich ganz große Unterschiede. Das alles muß geprüft werden, um genau die Auswirkung eines Tempolimits zu sehen. Dann muß beachtet werden, wie die Auswirkungen unter verschiedenen Witterungseinflüssen sind.

ZEIT: Haben Sie sich ein Zeitlimit für den Versuch gesetzt?

Dollinger: Nein, das wäre reine Phantasie...

ZEIT: Aber es ist doch sehr wichtig, daß man schnell zu Ergebnissen kommt, denn ein Tempolimit wäre vielleicht besonders jetzt – bevor die Katalysatoren zum Tragen kommen – nützlich. Sie müssen sich doch irgendwie Gedanken darüber gemacht haben.

Dollinger: Ja. Aber es wäre reine Phantasie, wenn ich jetzt sagen würde, es dauert ein oder zwei oder drei Jahre. Ich möchte mich hier wirklich nicht über einen Zeitpunkt äußern, weil das nur Hoffnungen weckt, die vielleicht nicht erfüllt werden können.