Expressiv

"Rembetiko" von Costas Ferris spannt einen weiten Bogen: griechische Geschichte zwischen 1917 und 1955. Sie wird jedoch nicht aus der Perspektive der Herrschenden erzählt, sondern rückt jene ins Bild, die immer zu kurz kommen, sich nicht wehren können und doch nicht aufgeben. In Costas Ferris’ Film sind das griechische Flüchtlinge, die 1922 von den Türken aus Smyrna vertrieben wurden. Ihre Trauer, ihren Schmerz, ihre Sehnsucht findet in einer Musik Ausdruck, die sich Rembetiko nennt und vergleichbar ist mit dem wehmütigen portugiesischen Fado und dem schwermütigen amerikanischen Blues. Marika (Sotiria Leonardou), eine Rembetiko-Sängerin, steht im Mittelpunkt. In ihrem leidvollen Lebensweg – Züchtigungen durch den Vater, früher Tod der Mutter, Demütigung durch Liebhaber und die eigene Tochter – spiegelt sich die Geschichte Griechenlands, die in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts von Diktatur und Besetzung geprägt war. Costas Ferris, der auch für das Theater arbeitet, läßt seine Schauspieler, vor allem die Frauen und ganz besonders seine Protagonistin, expressiv und leidenschaftlich spielen. Er scheut weder Pathos noch Symbolik, ist aber auch realistisch, etwa, wenn er einen Zauberer das Ende der Magie verkünden und die Zukunft des Kinos ankündigen läßt. Anne Frederiksen

Unkomisch

"Frauen waren sein Hobby" von Blake Edwards Erzählt wird von einem erfolgreichen Bildhauer, der davon besessen ist, alle Frauen, die ihm auffallen, also gefallen, auch haben zu müssen. Ein Blick genügt, und schon fühlt er sich unfähig für alles andere. Als seine Arbeit darunter leidet, beginnt er eine Psychoanalyse. Er verfällt dann auch seiner Psychoanalytikerin – und sie ihm. Dies ist ein eher schwächerer Film des oft zu Meisterlichem fähigen Hollywood-Komödienregisseurs Blake Edwards, der hier eine amerikanische Variante von François Truffauts "Der Mann, der die Frauen liebte" liefert. Wo es bei Truffaut um verrückte Leidenschaft ging, geht es bei Edwards aber nur um leidenschaftliche Verrücktheit, die zur Krankheit ausartet. Bei Truffaut stirbt der Held, weil er unheilbar ist. Bei Edwards stirbt er, weil seiner Heilung etwas dazwischenkommt. Obwohl die Bilder so ähnlich sind, liegen emotionale Welten zwischen ihnen. Edwards verkleinert das Melancholische zu einem Problem für die Couch, und traurig ist, daß er sich damit all der Oberflächen-Komik beraubt, die seine Filme sonst auszeichnen.

Norbert Grob

Sehenswerte Filme

"Broadway Danny Rose" von Woody Allen. "Tausend Augen" von Hans-Christoph Blumenberg. "Rembetiko" von Costas Ferris. "Vorname Carmen" von Jean-Luc Godard. "Trost" von Serif Gören. "Wo die grünen Ameisen träumen" von Werner Herzog. "Der Stoff, aus dem die Helden sind" von Philip Kaufman. "A Hard Day’s Night" von Richard Lester. "Der Unbeugsame" von Barry Levinson. "Indiana Jones" von Steven Spielberg. "Klassenverhältnisse" von Jean-Marie Straub. "Der Leopard" von Luchino Visconti.