Der Flagge folgt der Handel: Nach dieser Devise war Helmut Kohls Besuch in der Volksrepublik China angelegt.

Zweiseitige politische Probleme zwischen Bonn und Peking gibt es nicht – beim Besuch des Bundeskanzlers in China ging es um wirtschaftliche Fragen. Die Liste der Industriekapitäne, die den Regierungschef begleiteten, las sich wie ein Gotha der westdeutschen Wirtschaft.

Zu dem von manchen erhofften großen Durchbruch ist es jedoch noch nicht gekommen. Nur die gemeinsame Produktion von Volkswagen des Typs Santana und von VW-Motoren in Shanghai ist endlich mit Brief und Siegel versehen worden, und zwar sogar über das bisher geplante Maß von jährlich 20 000 Wagen und 100 000 Motoren hinaus. Andere große Projekte, wie die Lieferung des Airbus, zweier Nichrichtensatelliten und vor allem zweier Kernkraftwerke befinden sich hingegen weiter auf der langen Bank.

Zwar loben die Chinesen den großzügigen deutschen Technologietransfer, monieren jedoch oft zu hohe Preise. Umgekehrt klagen die deutschen Unternehmer über immer wieder aufgeschobene Entscheidungen, bürokratische Undurchsichtigkeit und Rechtslücken bei der Absicherung der Zusammenarbeit. In der Realität stößt die intensive Kooperation zwischen dem „größten Entwicklungsland der Erde“ und einem der am höchsten industrialisierten Staaten der Welt noch auf viele Klippen,

Davon abgesehen interessierte die deutschen Politiker und Wirtschaftler gleichermaßen, ob die von Chinas immer noch stärkstem Mann Deng Xiaoping vorangetriebenen Reformen, die größere Eigeninitiative sowie ein Mehr an Leistung und Gewinnstreben in der Wirtschaft erreichen sollen, eine grundsätzliche Kursänderung sind oder nur ein Wechsel der Parolen. Ministerpräsident Zhao Ziyang und andere führende Pekinger Politiker versicherten den Bonner Gästen, die Zusammenarbeit solle unter „langfristigen und strategischen Gesichtspunkten“ stehen, die Kurskorrekturen also von Dauer sein. Gleichwohl sind Zweifel geblieben, wie gründlich und wie rasch sich diese Korrekturen auch bei den mittleren und unteren Kadern der chinesischen Staatswirtschaft, die noch von den Prinzipien der Kulturrevolution beeinflußt sind, durchsetzen lassen.

Trotz dieser Schwierigkeiten und Fragezeichen nennen beide Seiten, besonders die Kanzlerbegleiter aus der Wirtschaft, die Gespräche außerordentlich intensiv und schnörkellos. Auf eigentlich politischem Feld ging es der Bundesregierung darum, die Beziehungen zu China als Schlüsselland zur Dritten Welt zu vertiefen und Asien als einen Schwerpunkt ihrer Außenpolitik weiter herauszustellen. Den Chinesen wiederum ist es um engen Kontakt zur Bundesrepublik als einem Motor der europäischen Politik und einem der wichtigsten Verbündeten der USA zu tun.

Der Bonner Regierung sind außerdem die Pekinger Ansichten über die Unnatürlichkeit der deutschen Teilung willkommen.