Lob wem Lob gebührt. Diesmal gebührt es dem amerikanischen Kongreß und der Regierung. Beide haben der Versuchung widerstanden, in einem Wahljahr das Populäre zu tun und die Hindernisse für Einfuhren zu erhöhen. Sie haben sich sogar zu dem unpopulären Schritt verführen lassen, den Forderungen der Europäischen Gemeinschaft entgegenzukommen.

Für Stahl gibt es über Reagans Konzept freiwilliger Selbstbeschränkungen der Lieferländer hinaus keine neuen Hürden. Beim Wein reiften zwar nicht alle Blütenträume der Europäer, aber es hätte schlimmer kommen können. Und was ganz wichtig ist: Viele Produkte aus 140 Staaten der Dritten Welt dürfen weitere achteinhalb Jahre zollfrei in die USA eingeführt werden.

Diese Zurückhaltung ist nicht selbstverständlich. Der starke Dollar öffnet die Einfuhrschleusen. Jeder Industriezweig verstärkt in solchen Zeiten seine Anstrengungen, vom Weißen Haus und vom Kongreß mehr Schutz zu erpressen. Dem Argument, ohne Schutz wachse die Zahl der Arbeitslosen, können Politiker meist nicht widerstehen. Daß es die Abgeordneten im Vermittlungsausschuß und Reagan dennoch konnten, ist ein Lichtblick im sonst so dunklen Kapitel des Kampfes gegen den Protektionismus. R. H.