Vor Jahresfrist eröffnete die Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen eine „Frequent Traveller Lounge“ für die „Vielflieger“ unter ihren Kunden. Das Experiment bewährte sich, weitere Lounges sollen nun folgen: nächste Woche in New York, nächstes Jahr daheim. Dann sollen auch die Erstkläßler mit neuem Interieur verwöhnt werden.

Wer ständig in die Luft geht, sucht am Boden ruhige Plätzchen. Die Erkenntnis machten sich die Manager ausländischer Luftlinien zunutze, um die begehrten umsatzträchtigen Vielflieger in ihre First-Class-Lounges auf den Flughäfen zu bitten. Das wollte sich der Platzhalter, die Lufthansa, auf Dauer nicht bieten lassen; andererseits konnte sie, die fleißige Propagandistin der Erstklaß-Genüsse, das vielfliegende, aber gemeine Volk der Economy-Kunden nicht unter die Nobilitäten der First-Class-Lounge mischen. Ausnahmen, bei denen gute Kunden kleine Sticker aufs Ticket geklebt bekamen und so Zutritt zur „Senator“-Lounge erhielten, nahmen überhand.

So entstand – als Versuch – die „Frequent Flyer Lounge“ auf dem Rhein-Main-Flughafen, ein Wartesaal zweiter Klasse, der sich vom erstklassigen Pendant kaum unterscheidet: keine Schreibgelegenheiten, keine eigenen Toiletten und eine dürftige Auswahl an Magazinen. Ansonsten dürfen sich die „Frequees“ an Freigetränken jeglicher Art laben und in den braunen Fauteuils rekeln wie andernorts die „Senatoren“.

Der Versuch gelang trotz erschwerter Bedingungen, denn mit dem gelben LH-Ausweiskärtchen allein kann man das Vielflieger-Revier nicht betreten. Es ist nämlich, obgleich hauptsächlich von Inlandsfliegern benutzt, hinter der Paßkontrolle angesiedelt; das heißt, man muß bei jedem Ein- und Ausgang eine Paß- und Zollkontrolle hinter sich bringen. Die solcherart versteckte Nickerchen- und Süffelzone sprach sich trotzdem rum: Im ersten Halbjahr nutzten 24 000 Flieger die angenehme Offerte.

Das stimulierte die Lufthanseaten. Sie beschlossen, gleichartige Lcunches auch dort einzurichten, wo sie dank der Flughafen-Einrichtungen noch dringender sind als in Frankfurt: in Düsseldorf, Hamburg und München. Die Planungen sind abgeschlossen, nur die Gelder sind noch nicht genehmigt. Wenn die Kassenwarte mitmachen, können die neuen Lagerstätten bereits im kommenden Jahr eröffnet werden.

Beschlossen und bezahlt ist hingegen schon die Frequent Flyer Lounge, die am 15. Oktober auf dem Kennedy-Airport in New York eingeweiht wird. Auf sechs Monate ist der „Probelauf“ jenseits des Atlantiks terminiert, dann entscheidet sich, ob weitere Vielflieger-Klubs im Ausland entstehen.

Die neuen Lounges machen aber auch eine Aufwertung der erstklassigen Senator-Lounges notwendig, um den Abstand der Kassenklassen zu wahren. Auch hier experimentieren die Lufthansa-Inneneinrichter bereits: Die First-Class-Clubs in Köln und Düsseldorf wurden versuchsweise neu dekoriert. Köln soll dabei den größten Zuspruch finden: eine Atmosphäre aus Holz und Leder, wie sie deutsche Bosse schätzen. K. V.