(23) Heimat

Durch einen Film, der im Fernsehen gezeigt wird, sind Wort und Begriff „Heimat“ wieder Gesprächsstoff und Gegenstand des Nachdenkens geworden. Haben wir einen alten Wert neu entdeckt? Ist „Heimat“ ein Wert, der noch gilt?

Contra:

1. „Wer die Heimat liebt so wie du und ich, kann im fremden Land nicht glü-ücklich sein?“ Ist das nicht schrecklicher Kitsch?

2. „Heimatromane“ wie die von Ganghofer, „Heimatfilme“ wie „Grün ist die Heide“, manche Rede auf den Treffen von „Heimatvertriebenen“ sind unerträglich.

3. Ermüdeter Fortschrittsglaube besinnt sich zurück auf die Herkunft, auf die „Wurzeln“ („Roots“ hieß der Heimatfilm eines amerikanischen Negers). Wir wollen offenbar ein Volk, von konservativen Rückbesinnern werden.

4. Hinter dem Wort „Heimat“ verbirgt sich doch nur die romantische Sehnsucht des Großstädters nach dem Landleben, der Haß des Zivilisationsgeschädigten auf die computergesteuerte Industriewelt. Er flüchtet seinen Körper in die Bauernhof-Kommune und seine Seele nach Nicaragua (vorher Kuba, vorher China).