Von Dietrich Strothmann

Böse Absicht soll es nicht gewesen sein, nur eine ärgerliche Panne: Daß zwar der israelische Botschafter, auch ein Gesandter der DDR-Vertretung bei der Ehrung im Pariser Außenministerium zugegen waren, eingeladen vom Amtschef Claude Cneysson, nicht aber, gerade nicht, ein Diplomat aus Bonn. Beate Klarsfeld, die da zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen, von Cheysson auf beide Backen geküßt wurde, wird es nicht verwundert, schon gar nicht verdrossen haben. Sie kennt, meint sie nach langer, leidvoller Erfahrung, ihre Deutschen. Sie verehren keinen, sie liebten ihn denn. Und Beate Klarsfeld, der Racheengel wider deutsche Geschichts-Gleichgültigkeit, eignet sich gerade dazu nicht sonderlich.

Dabei wollte der deutsche Botschafter bei dem spektakulären französischen Ritterschlag für eine Deutsche nicht fehlen – er hatte nur einen anderen, dringenden Termin. Das gibt es. Dabei sollte ihn die Frau Generalkonsulin vertreten – sie bekam indessen die Einladung per Kurierpost nicht. Auch das soll es geben. Eine Panne eben, versteht sieht, kein Affront.

Beate Klarsfeld aber, die seit bald zwanzig Jahren ihres Privatfeldzuges gegen die Unbewältiger deutscher Vergangenheit so manche Enttäuschung erlebte, hat allen Grund, sich angemessen geehrt zu fühlen: Sie, die sich früh emanzipierte, wie eine Heilige Johanna für Recht und Gerechtigkeit stritt, ist nun tatsächlich eine "Gleichgestellte", der Gerechtigkeit widerfuhr. Das unbekannte, unbedarfte Au-pair-Mädchen, das 1960 nach Paris kam, wurde 1984 in derselben Stadt in den erlauchten Kreis der "Ehrenlegionäre" aufgenommen, die blutrote Rosette am Kleid. Stolz kann sie sein.

Sind wir es auch? Werden es unsere regierenden Politiker, Männer allesamt, fertigbringen, ihr zu gratulieren, einer Deutschen, die in Frankreich lebt, einer Frau zumal, gerade dieser Beate Klarsfeld? Es wäre keine Panne, hüllte sich Bonn in betroffenes, betretenes Schweigen. Wie es ja auch Paris, nicht etwa Bonn für angemessen und angebracht hielt, dieser Frau die gebotene Reverenz zu erweisen, aus Dank, nicht aus Galanterie.

Noch nie hatte ihr Name, seit er in die Schlagzeilen geriet, in ihrer Heimat einen guten Klang. Sie galt einfach als Skandalnudel, als Exhibitionistin, als Psychopatin. Als sie 1968, ihre erste spektakuläre Aktion, den Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger vor versammelter CDU geohrfeigt hatte, fand Ernst Lemmer: "Das ist eine unbefriedigte junge Frau." Damals war sie bereits seit fünf Jahren mit dem französischen Rechtsanwalt Serge Klarsfeld verheiratet, hatte ein Kind. Als sie dann 1974 von dem unsäglichen Kölner Richter Viktor de Somoskeoy wegen versuchter Entführung Kurt Lischkas verurteilt wurde, wurde ihr empfohlen, sich doch von einem Psychiater untersuchen zu lassen.

Beate Klarsfeld galt noch nie viel im eigenen Land. Nur Heinrich Böll hatte ihr nach dem Backenstreich und dem in einem Schnellverfahren ungewöhnlich harten Urteilsspruch von einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung spontan rote Rosen geschickt (zum Unwillen seines Kollegen Günter Grass), weil sie ihn an seine Mutter erinnerte: "Sie besaß Intelligenz, Naivität, Temperament, Instinkt und Witz und bestärkte mich darin, die verfluchten Nazis zu hassen, ganz besonders die gepflegten bürgerlichen."