Um das Überleben der eigenen Partei in den achtziger Jahren, nicht um das der Bundeswehr in den neunziger Jahren geht es den Strategen der Freien Demokraten bei ihrer Weigerung, schon jetzt einer Verlängerung der Wehrpflicht ab 1989 von 15 auf 18 Monate zuzustimmen. Dieses Thema, so Parteichef Genscher, stehe für die FDP nicht an der Spitze der Prioritätenliste für die Personalplanung der Armee.

Aber kein noch so raffiniertes Strecken der Jahrgänge, keine noch so radikale Umstrukturierung des Heeres führt daran vorbei, daß die sinkende Geburtenrate durch längere Wehrpflicht wettgemacht werden muß, soll nicht die Bundeswehr schon bald zur militärischen Fassade werden. Die Entscheidung kann noch ein paar Jahre hinausgezögert werden. Aber wenn heute schon, zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl und nach umfangreichen Vorarbeiten, ein Koalitionspartner wegen kurzfristiger Vorteile langfristige Verantwortung scheut – um wieviel schwerer wird es fallen, das Notwendige später noch zu verwirklichen? Populärer wird die Wehrdienstverlängerung durch den Aufschub ganz gewiß nicht.

Die Bundesregierung muß deshalb der Versuchung widerstehen, aus Rücksicht auf den nervösen kleinen Partner den Streit zu vermeiden und vage Absichtserklärungen als Politik auszugeben. Regieren heißt nun einmal auch entscheiden. cb