ZEIT: Herr Steves, ist durch den Besuch des Bundeskanzlers eine Belebung der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen zu erwarten?

Steves: Es gibt dafür eine ganze Reihe Anzeichen. Es ist Verschiedenes im Gespräch und der Besuch wird sicher dazu beitragen, eine ganze Reihe von Projekten spruchreif zu machen.

ZEIT: Läßt sich das konkretisieren?

Steves: Im Augenblick ist das von hier aus schwer zu beurteilen. Aber über Berichte aus Peking habe ich gehört, daß zum Beispiel bei dem Kooperationsprojekt von Volkswagen mit der Shanghai Traktor Automobil Cooperation größere Produktionszahlen angepeilt werden, als man bisher angenommen hat. Da wird aber – wie immer bei den Chinesen – nichts übers Knie gebrochen. Wenn man jetzt von größeren Produktionszahlen spricht, dann ist das eine Sache, die etwa für die Jahre um 1990 geplant ist. Dann wird man dort nicht 20 000, sondern möglicherweise 30 000 Santanas montieren.

ZEIT: Die vergangenen Jahre waren in den deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen nicht immer die besten. Es ging auf und ab. Wie lassen sich solche Schwankungen erklären?

Steves: Man hat wohl erkannt, daß man sich bei bestimmten Planungen etwas zu viel in zu kurzer Zeit vorgenommen hatte. Es gab daher ja auch Verhandlungen darüber, bestimmte Großprojekte zu stornieren oder zumindest auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ich glaube, daß man den Rückgang, den wir vor allem 1982 hatten, in diesem Zusammenhang sehen muß. Einen noch stärkeren Einbruch hatte es übrigens von 1979 auf 1980 gegeben. Das war der erste Umschwung nach dem plötzlichen Neubeginn. Das Motto lautete: Mehr Vorsicht. Die Chinesen haben das in einer Form gemacht, mit der sie nun zusätzlich Vertrauen gewonnen haben. Man hat erkannt, daß sie sich nicht übernehmen wollen. Und dabei kann man dem Partner ja im eigenen Interesse nur behilflich sein.

ZEIT: Ein Problem im Handel mit Staatshandelsländern ist, daß sie auf Grund ihres chronischen Devisenmangels meist gern auf Kompensationsgeschäfte ausweichen. Bezahlt wird also nicht in bar, sondern mit Ware, was unsere Exporteure so gern nicht sehen. Ist das in China auch so?