Bericht vom Land

Früher hatten es die Bauern einfacher: Da sang das Volkslied vom segensreichen Wirken der Landwirtschaft. Heutzutage müssen das die Bauernverbände schon selbst besorgen. Zu diesem Zweck haben sie eine „Informationsgemeinschaft für Meinungspflege und Aufklärung e. V.“ gegründet, die seither mit Hilfe von Hochglanzbroschüren die Meinung von Lehrern und Redakteuren pflegt und sie aufklärt. In ihrem druckfrischen „Bericht vom Land ’84“ hat sie jetzt endlich herausgefunden, warum es in der Bundesrepublik immer weniger Störche gibt: „Auf natürliches Verhalten reagieren sie natürlich. Aber sie vertragen es nicht, wenn sie fixiert werden.“

Zweifellos eine bahnbrechende Erkenntnis. Wer bisher angenommen hatte, der Storch sterbe aus, weil immer mehr froschhaltige Feuchtwiesen trockengelegt und in Weiden für glückliche Kühe verwandelt werden, muß sich jetzt eines anderen belehren lassen. Auch, wer vermutet hatte, das Zuschütten, von Gräben und Tümpeln entziehe dem Vogel mit dem langen Schnabel die Nahrung, sieht sich getäuscht. Nein, er ist es ganz einfach leid, angestarrt und photographiert zu werden. Und wenn die Bauern nicht wären – „Wie oft haben wir schon schon zudringliche Leute um Rücksicht bitten müssen“ –, dann wäre Adebar vermutlich längst ausgestorben.

Katzenglück

Der Hamburger Tierschutzverein blickte kürzlich auf die Anfänge seiner mehr als hundertjährigen Arbeit zurück und klopfte sich dabei behutsam auf die Schulter: „Sehr erfreulich war schon damals wie heute in Hamburg...die Situation für die Tiere besser als im übrigen Deutschen Reich und Europa.“

Damit dies so bleibt, hat der Verein am Welttierschutztag (dem 4. Oktober, Todestag Franz von Assisis) „eine vorbeugende Maßnahme gegen die Vermehrung der unglücklichen Katzen“ angekündigt. Im Klartext: Jeder, der meint, eine Katze zu besitzen, deren Nachwuchs unglücklich sein wird, kann das Tier mit finanzieller Hilfe des Vereins kastrieren lassen.

Uns kommen dabei einige Fragen: Wie, bitte schön, unterscheidet man glückliche von unglücklichen Katzen? Daran, daß sich die einen in überheizten Zweizimmerwohnungen langweilen, während die anderen, die Ausgesetzten, in Hinterhöfen toben? Und gelten die Kriterien des Glücklichseins – soweit es sie gibt – auch für Kater? Wie können wir erfahren, ob der nächste Wurf aus glücklichen oder unglücklichen Exemplaren bestehen wird? Fragen, an denen auch der alte Franz zu beißen hätte.