Anonyme Tadschiken

Der Alkoholismus ist das schlimmste Suchtproblem der Sowjetunion und nach Angaben der eigenen Statistik die dritthäufigste Krankheit; zwölf bis vierzehn Prozent der erwachsenen Sowjetbürger befinden sich mindestens einmal im Jahr in einer Ausnüchterungszelle. Bisher ging der Staat nur mit groben Mitteln – Propagandakampagnen, Preiserhöhungen, öffentliche Anprangerung und Zwangseinweisung von Alkoholkranken – gegen das Übel vor. Jetzt berichtete die sowjetische Presse über den ersten, von Wissenschaftlern betriebenen „Dienst für anonyme Alkoholheilung“ – in der zentralasiatischen Sowjetrepublik Tadschikistan. Die Patienten kommen erst nach Einbruch der Dunkelheit, brauchen sich nicht auszuweisen und werden mit psychotherapeutischen und hypnotischen Verfahren behandelt. Professor Minchosch Guljamow, Chef der Alkoholtherapeuten, spricht von über tausend geheilten Patienten; 57 Prozent seien seit über zwei Jahren „trocken“.

Sparen beim Sprudel

So gehe es nicht weiter, befand die neue Regierung des Staates Israel. Das Defizit in der Handelsbilanz betrug im vergangenen Jahr rund zehn Milliarden Mark – und was tun die vier Millionen Bürger? Sie schwelgen in importiertem Luxus; fahren in deutschen Autos spazieren, trinken schottischen Whisky, gucken in japanische Bildröhren, und das Gerücht hält sich hartnäckig, daß Jerusalem demnächst in „Monte Video“ umbenannt wird. Diesem unpatriotischen Gebaren wird jetzt ein Riegel vorgeschoben: Ein halbes Jahr lang ist die Einfuhr von etwa 50 Luxusgütern strikt verboten. Der praktische Effekt der Maßnahme dürfte gering sein; um so mehr hoffen die Verantwortlichen offenbar auf moralische Wirkungen. Hätten sie sonst Mineralwasser zum Luxus erklärt? „Wir haben selbst sehr gute Mineralwasser,“ sagt der Bonner Botschaftsrat Ephraim Zimran, „es ist nicht nötig, daß unsere Bürger ausländischen Sprudel trinken.“

Untergepflügt

Durch einen Übertragungsfehler hat sich in die letzte Ausgabe der ZEIT eine Namensverwechslung eingeschlichen. Nicht Meinhard Ade, künftiger Leiter der innenpolitischen Abteilung im Bundespräsidialamt und vorher unter dem Regierenden Bürgermeister von Weizsäcker Senatssprecher in Berlin, war einst Vorsitzender des Ringes Christlich Demokratischer Studenten, sondern der jetzige Pressereferent des Bundespräsidenten Friedbert Pflüger. Pflüger war in Berlin erst Redenschreiber, dann Leiter des Bürgermeisterbüros. (Vgl. Carl-Christian Kaiser: Der Fragesteller der Nation. DIE ZEIT, Nr. 41, Seite 4)