Wenn heute über moderne Technik und ihren Einfluß auf die Arbeitswelt gesprochen wird, dann ist vorzugsweise von Gefahren und Problemen die Rede, von Abqualifizierung und drohenden Arbeitsplatzverlusten – jedenfalls dann, wenn sich Soziologen, Politiker oder Gewerkschafter dieses Themas annehmen.

In der Praxis sieht dies meistens ganz anders aus. Es dürfte nicht allzuviele Büros und Verwaltungen geben, in denen die Beschäftigten nach einer ausreichend langen Eingewöhnungszeit und nach Überwindung der anfänglichen Scheu vor dem zunächst kompliziert erscheinenden neuen Arbeitsgerät zum ursprünglichen Zustand zurückkehren wollen.

Die Zeiten, in denen der technische Fortschritt einen weiten Bogen um das Büro machte, sind vorbei. Über viele Jahre hinweg hat sich die Schreibmaschine zum Beispiel kaum verändert. Zwar wurden die alten mechanischen Geräte schrittweise von elektrischen verdrängt, aber dadurch änderte sich zunächst wenig: Wer sich vertippt hatte, hatte sich vertippt; mehr als einen Brief mit einigen mehr oder weniger kräftigen Durchschlägen konnte man nach wie vor nicht darauf schreiben – und wenn ein Wort vergessen oder ein Satz falsch formuliert worden war, dann mußte eben alles noch einmal zu Papier gebracht werden – wieder mit dem Risiko von Schreibfehlern. Und wenn mehrere Empfänger ähnliche Briefe bekommen sollten, in denen nur der eine oder andere Absatz individuell gehalten war, dann mußte dennoch alles andere immer wieder neu getippt werden.

Das hat sich erst ein wenig verändert, seit die Techniker neben der Elektrik immer mehr Elektronik in die Schreibmaschinen packten und sie dabei schon mit etwas Gedächtnis ausstatteten. Sie können sich zum Beispiel jetzt die letzten hundert Anschläge merken. Einzelne Buchstaben, ganze Wörter oder Zeilen lassen sich dann durch einfachen Tastendruck löschen: Die Maschine fährt zurück, schlägt die Zeichen noch einmal automatisch an, nur daß diesmal statt des Farbbandes ein Klebeband zwischen Papier und Typenhebel ist und die Farbe wieder abhebt.

Teurere Maschinen haben überdies verschiedene Textspeicher, in denen sich ständig wiederholende Floskeln wie Anrede und Gruß ebenso auf Abruf gelagert werden können, wie Standardbriefe oder kurze Texte, die in vielen Schreiben als „Bausteine“ verwendet werden können. Die Sekretärin drückt nur eine Taste und kann eine Tasse Kaffee trinken, während ihre Maschine selbsttätig die entsprechenden Texte im Sauseschritt zu Papier bringt.

Die Maschine kann sich beispielsweise auch merken, welche Felder in welcher Reihenfolge in oft verwendeten Formularen angesteuert werden müssen. Der Schreiber braucht nicht mehr lange herumzufummeln und sich darüber zu ärgern, daß Worte und Ziffern mal über, mal unter der Zeile oder nicht genau im vorgeschriebenen Kästchen stehen. Dafür sorgt die Maschine, nachdem sie einmal den richtigen Weg abgefahren und in einem ihrer „Memories“ gespeichert hat. Der Schreiber muß nur noch die jeweiligen Daten eintippen. In ähnlicher Weise nehmen ihm die eingebauten elektronischen Heinzelmännchen Fummelei und Routine beim Schreiben von Tabellen und vielen anderen Tipparbeiten ab.

Dennoch – die gute alte Schreibmaschine ist zwar gewaltig verbessert, aber nicht wirklich erneuert worden. Die Postkutsche ist bequemer und raffinierter ausgestattet, aber sie ist eben immer noch eine Postkutsche, kein Auto. Bei der Schreibmaschine wird dieser Schritt erst jetzt durch eine ganz neue Generation von Geräten vollzogen, die so benutzerfreundlich und – hoffentlich bald – auch so preiswert sind, daß sie die herkömmliche mit Elektrik und Elektronik nur etwas aufgemöbelte Schreibmaschine in vielen Bereichen ablösen können.