Mit radikaler Rhetorik begeistert Andreas Papandreou seine Anhänger – aber seine Politik bleibt pragmatisch

Von Andreas Kohlschütter

Athen, im Oktober

Griechenlands sozialistischer Premier Andreas Papandreou hat sich für eine Politik des Gradualismus und Realismus entschieden. Das gilt einmal für seine Achillesferse: die Wirtschaftspolitik. Hier hat Papandreou populistische Wunscnträume und doktrinäre Vorstellungen seiner Pasok-Partei zurückgestutzt. Anders als Frankreichs Mitterrand in den ersten zwei Jahren seiner Regierung läßt Papandreou seinen Finanz- und Wirtschaftsminister mit dem Sozialismus eher sparsam umgehen und mit „klassischer Medizin“ operieren, mit diskretem Monetarismus und deutlichen Abstrichen am Wohlfahrtsstaat.

Realitätssinn, Einsicht in das Mögliche und Notwendige, beherrscht auch die Außen- und Westpolitik Athens. Hier steuert Papandreou nach seinem früheren Radikalismus nun einen revisionistischen Kurs, der den griechischen Linksaußen als glatter Verrat am Wählerauftrag erscheint. An den strategischen Fernzielen wird zwar festgehalten: 1. eine „andere“ Europäische Gemeinschaft, ein „Europa der Völker, nicht der Monopole“, nicht mehr in Ost und West geteilt; 2. Austritt aus der Nato; 3. Entfernung der amerikanischen Stützpunkte. Für die „Übergangsperiode“, deren Ende nicht abzusehen ist, gelten indes andere „Zwischenziele“:

  • Europäische Gemeinschaft: Einst sagten die Pasok-Sozialisten nein zur Mitgliedschaft Griechenlands. Dann gewannen sie 1981 die Wahlen mit dem Ruf nach einem Referendum über einen EG-Austritt, wohl wissend, daß Staatspräsident Karamanlis, der Hellas in die Gemeinschaft hineingeführt hatte, seine laut Verfassung benötigte Zustimmung nie geben würde. Bald wurden auch die Forderungen nach neuen Verhandlungen mit Brüssel und nach einem „Sonderstatus“ aufgegeben und auf das im März 1982 der Brüsseler Kommission unterbreitete Memorandum reduziert, das für den Sonderfall Griechenland lediglich Rücksichtnahme und Anpassungshilfen verlange Heute wird die EG-Mitgliedschaft nicht mehr in Frage gestellt.

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