Heiner Geißler, CDU-Generalsekretär, Familienminister und Mann mit flotter Zunge, die nicht immer alles so genau nimmt, wurde bei einer dicken Unrichtigkeit ertappt. In der Haushaltsdebatte des Bundestages hatte Geißler sich bitterlich darüber beklagt, daß in der sozialliberalen Ära „seit 1974 praktisch nichts beim Kindergeld passiert“ sei. So stand der Satz nun im Raum, wie so vieles, was Geißler schon von sich gab.

Den SPD-Abgeordneten Günter Schlatter ließ die Bemerkung nicht ruhen. Er bohrte nach und bat Geißler um genaue Belege für seine Behauptung. Geißlers Staatssekretärin Irmgard Karwatzki mußte Schlatter gegenüber jetzt Farbe bekennen und zugeben, daß das Kindergeld zwischen 1974 und 1982, dem SPD-Ende- und dem CDU-Wendejahr, mehrfach erhöht wurde: von 70 auf 100 Mark für das zweite Kind, von 120 auf 220 für das dritte, von 120 auf 240 für das vierte und jedes weitere Kind. Nur die Kindergeldhöhe für das erste Kind (50 Mark im Monat) ist über die Jahre gleich geblieben.

Wie sehr Bonn auch ein Jahrmarkt der Eitelkeiten ist, erstaunt selbst alteingesessene Hauptstadtbewohner immer wieder. Diesmal erstreckt sich das Erstaunen mancher Bonner auf eine Broschüre des „Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken“ (BVR), in der noch einmal der „Große Verbandstag 1984“ des BVR nachgezeichnet wird. Auf den 75 Seiten des Heftchens erscheint der Präsident des Bundesverbandes, Bernhard Schramm, genau achtzehnmal im Bild, allein fünfmal mit Ingelore Bähre, der ehemaligen Präsidentin des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen, die mit der Schultze-Delitzsch-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde. Anfang und Ende der BVR-Broschüre werden ein- beziehungsweise ausgeläutet mit einem Bild, auf dem Schramm sich zusammen mit Bundeskanzler Helmut Kohl zeigt.

Wenn deutsche Staatsdiener aus gehobenen Positionen ausscheiden und ihr Insider-Wissen dann im Ruhestand als Lobbyisten der Wirtschaft auf Bonner Parkett verkaufen, hat das gelegentlich einen hautgoût. Amerikaner sind da offenbar weniger zimperlich. Oberst Mack Lee Gibson zum Beispiel, seit Mai 1980 an der Bonner US-Botschaft Verteidigungs- und Heeres-Attaché, schied kürzlich aus dem Staatsdienst aus und verdingt sich nun bei der Bonner Niederlassung der US-Firma Bell Helicopter, einem der großen Rüstungslieferanten der USA. Deutschland Geschäftsführer von Bell, Frithjof Willemsen, signalisierte die Bell-Neuerwerbung Bonner Bundestagsabgeordneten ganz ungeniert; „Herr Gibson würde sich freuen, Ihre Bekanntschaft bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu machen, um Ihnen in der beratenden Funktion bei Bell-Helicopter-Fragen behilflich zu sein.“ Ex-Oberst Gibson ist Verkaufsleiter von Bell! Na und?

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Nach reichlich langen und zähen Verhandlungen zwischen dem Kreditgewerbe und den Datenschützem von Bund und Ländern ist nun endgültig klar, wie die Praxis der Bankauskünfte aussieht. Zur Erinnerung: Anfang des Jahres hatte eine stillschweigende Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Banken bundesweite Empörung ausgelöst. Die Kreditwirtschaft hatte einseitig eine neue Geschäftsbedingung eingeführt, derzufolge die Banken bankmäßige Auskünfte über die Kontokunden erteilen dürfen (ZEIT Nr. 4. „Dürfen Banken über alles plaudern“). Der FDP-Bundestagsabgeordnete Burckhard Hirsch sprach damals von einem „Konditionenkartell der Banken“.

Datenschützer sahen in den neuen Bedingungen sogar einen Verstoß gegen geltendes Datenschutzrecht. Sie halten Bankauskünfte nur dann für zulässig, wenn eine entsprechende Erklärung des Kontoinhabers vorliegt. Klaus Weiser, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, derzeit federführend im „Zentralen Kreditausschuß des deutschen Kreditgewerbes“, verkündete nun als offizielle Linie, was seit der öffentlichen Empörung im Januar als Übergangslösung praktiziert wird: Über Geschäftskunden werden Bankauskünfte erteilt, wenn der Bank keine anderslautende Weisung des Kunden vorliegt; über Privatkunden gibt es nur dann Auskünfte, wenn diese entweder allgemein oder im Einzelfall ausdrücklich zugestimmt haben.