Ein Kongreß in Berlin rätselt über den „Untergang von Religionen“

Von Caroline Neubaur

Immer mehr junge Leute interessieren sich für Fragen des Glaubens und des Mythos. Religionswissenschaft und -geschichte sind zu einem gern gewählten Studienfach geworden. Weshalb Aus wissenschaftlicher Forscherlust oder aus dem verständlichen Wunsch, beim Studium alter oder neuer Formen religiösen Verhaltens eine Erklärung für die eigenen Schwierigkeiten in einer immer weniger zu verstehenden Welt zu finden?

Die „Deutsche Vereinigung für Religionsgeschickte“ hat ihren alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Kongreß dieses Jahr an das Religionswissenschaftliche Institut in Berlin vergeben. Das Thema des Kongresses „Der Untergang von Religionen“ fand großes Interesse nicht nur bei Fachkollegen.

„Voriges Jahr haben wir vor dem Abgrund gestanden, dieses Jahr haben wir einen Schritt weiter gemacht.“ (Kalenderblatt)

Gott ist tot, urteilt Nietzsche, aber er muß es oft wiederholen, denn ohne die Erinnerung an Gott hat auch die Beschwörung des Dionysos keinen Sinn mehr, wäre dem Schicksal der penetrant vorausgesehenen absoluten Langeweile ohne mysteriennafte Erneuerung nicht mehr zu entgehen.

Die Religionswissenschaftler, die in Berlin zum ersten Mal im Laufe ihrer relativ kurzen Wissenschaftsgeschichte nach untergegangenen Religionen suchten – ihre angestammte Beschäftigung ist die Suche nach Ursprung und Entstehung von Religionen –, brauchten keine Laternen, um Gott am hellichten Tag auf dem Markt zu suchen. Viel eher erschien „die“ Religion plötzlich als ein großer Strom, der sich durch die Geschichte wälzt, verschwindet, an Stellen wieder auftaucht, wo man es nicht erwartet hat: Keine Furie des Verschwindens rafft das Unternehmen Religion hinweg.