Von Regina Oehler

Die „Badewanne“ ist ein Bestseller geworden. Zwar limitiert der hohe Preis von dreieinhalb Millionen Mark die Auflage. Aber inzwischen besitzen immerhin zehn bundesdeutsche Kliniken die teure Wanne; fünf weitere Krankenhäuser wollen die Anschaffung bis zum Jahresende machen. Und die Sache scheint sich zu lohnen – für Kranke mit Nierensteinen.

Sechstausend Patienten haben sich im Lauf der letzten vier Jahre in diesen Wannen ihre Nierensteine unblutig zertrümmern lassen. Und es sieht ganz so aus, als ob in Zukunft „ein Großteil der operativen Entsteinung umgangen werden kann“, prophezeit Professor Christian Chaussy von der Urologischen Klinik der Universität München, einer der Mitbegründer der neuen Therapie.

Jährlich müssen Chaussy und seine Kollegen rund 40 000 Bundesbürger von ihren schmerzhaften Steinen befreien. Neun von zehn Patienten könnte auch mit der unblutigen „Extracorporalen Stoßwellen-Lithotrypsie“ (kurz ESWL) geholfen werden. Diese Bilanz zogen Urologen der ersten fünf deutschen ESWL-Zentren in München, Stuttgart, Berlin, Wuppertal und Mainz kürzlich bei einer Tagung in Bremen.

Die Ärzte haben inzwischen vier Jahre lang Erfahrungen mit der neuen Methode gemacht. Bei ihr werden, wie der Name schon sagt, die Nierensteine mit Stoßwellen zerstört. Stoßwellen bestehen meist aus einem einzigen, extrem kurzen Druckimpuls. Der Druck, mit dem die Stoßwelle auf den Nierenstein trifft, ist so hoch, daß sich feine Risse im Stein bilden. Zudem wird ein Teil der Stoßwelle reflektiert, wenn sie vom Nierenstein wieder in den Körper übertritt, so daß im Stein eine zusätzliche Zugwelle entsteht. Und vor dieser Spannung aus Druck- und Zugwellen kapitulieren die Nierensteine.

Die behandelnden Ärzte können die Eigenschaften der Druckimpulse so wählen, daß elastisches Körpergewebe nicht geschädigt wird. Damit die Stoßwellen nicht schon beim Eintritt in den Körper reflektiert und abgeschwächt werden, müssen die Patienten in der Badewanne liegen: Wasser hat weitgehend dieselben akustischen Eigenschaften wie der menschliche Körper. Die von einem Stoßgenerator erzeugten Wellen werden mit Hilfe eines Hohlspiegels auf den Nierenstein konzentriert, nachdem dessen exakte Position zuvor röntgentechnisch vermessen worden ist. Da Stoßwellen schmerzhaft sind, muß der Patient bei der Prozedur zumindest örtlich betäubt sein.

Rund 80 Prozent der Badewannen-Patienten waren bei Kontrolluntersuchungen ein Vierteljahr nach der Behandlung ihre Steine auch tatsächlich los. Etwa jeder sechste Patient hatte sich dafür zweimal in die Wanne legen müssen. Bei weiteren zwanzig Prozent der Nierensteinträger waren zusätzliche Maßnahmen nötig geworden. Dazu gehört ein Verfahren, bei dem die Ärzte die Niere punktieren und die Steine dann mit Hilfe einer kleinen Ultraschall-Sonde zerstören; die Trümmer werden mit einer Nierenfistel abgesaugt.