Von Gunhild Freese

Die Einladungsliste war nur kurz, doch die kleine Schar der geladenen Gäste, die sich diese Woche am Tisch des Präsidenten des Bundeskartellamtes, Wolfgang Kartte, einfanden, war erlesen: Eigentümer oder Top-Manager nahezu sämtlicher Großunternehmen des heimischen Lebensmittelgroß- und Einzelhandels. Die Genossenschaftszentralen von Rewe und Edeka waren ebenso präsent wie die Filialisten Tengelmann und Leibbrand, Hurler und Kaufmarkt, der Groß- und Einzelhändler Schaper gab sich ebenso die Ehre wie auch die co op, der Deutsche Supermarkt und das Handelskontor Gedelfi. Ergänzt wurde die Handelsriege von Spitzenvertretern der Markenindustrie wie Pfanni und Jacobs, Beiersdorf und Oetker, Henkel und Unilever.

Die Bosse von Handel und Industrie waren geladen, um einen Schwur zu erneuern, den sie vor genau einem Jahr vor dem Amtspräsidenten schon einmal abgelegt hatten: den Verzicht auf systematische Angebote von Lockvogel-Artikeln zu Preisen noch unter den eigenen Einstandskosten.

Die Bilanz, die die Berliner Wettbewerbshüter gemeinsam mit ihren Gästen gezogen haben, mag noch einigermaßen positiv ausgefallen sein. "Man hält sich weitgehend an die Erklärung", konstatierte Werner Schultes, Leiter der für den Handel zuständigen neuen Beschlußabteilung des Amtes.

Ruhe ist dennoch nicht eingekehrt an der Verkaufsfront. Denn nun versuchen vor allem mittlere, noch stark expansive Handelsunternehmen, sich gegenüber den Großen durch Niedrigpreisstrategien zu profilieren. Der Pakt der Giganten wird denn auch von kritischen Tönen der kleinen Händler und ihrer Organisationen begleitet.

"Ohne das Berliner Gelöbnis wäre alles schlimmer gewesen", so lautet das noch vorsichtige Fazit von Arend Oetker, Chef der Marmeladenfabrik Schwartauer Werke, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und selbst Teilnehmer der Berliner Runde.

"Die Großen haben sich weitgehend an ihren Eid gehalten", meint auch ein Sprecher der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, "aber jetzt wittern die Mittleren ihre große Chance."