Endlich ein Nobelpreis für Deutschland, wenn nicht sogar heimlich für Bonn – so klingen die hauptstädtischen Jubelfanfaren. „Gratuliere, Herr Doktor“, hat Heinz Riesenhuber seinen Kommentar für Bild zum Nobelpreis für Georges Köhler überschrieben. Und: „Der Preis ist auch ein Signal: Mit der deutschen Forschung geht es wieder bergauf.“ Noch lauter jubelt Christian Lenzer (CDU) im Namen der Unionsfraktion: „Deutsche Forschung ist Spitze.“ Schön, wenn es mit der Forschung bergauf geht. Wie Riesenhuber und Lenzer das allerdings mit dem Preis für Köhler verbinden, bleibt ihr Geheimnis. Der Preis ist für herausragende Forschungserfolge während der siebziger Jahre verliehen worden, die in dem Baseler Institut für Immunologie erzielt worden sind. Im übrigen: Was wird jetzt aus den Klagen, daß die deutsche Forschung den Anschluß an die Spitze verpaßt hat?

Norbert Blüm ist vom Tabakforum zum „Pfeifenraucher des Jahres“ gekürt worden. Gratulation, Herr Doktor! möchte man da rufen. Allmählich wünscht man sich allerdings wenigstens einen einzigen Tag, an dem der Arbeitsminister sich mal nicht als Jogger, Einweiher, Schauspieler, Musikant, Vater, Gewichtheber oder Pfeifenraucher für die Medien produziert. Sonst gewinnt man bald den Eindruck, er jogge in Jürgen W. Möllemanns Spur.

Rolf Clement, Chefredakteur der Zeitschrift der Jungen Union Die Entscheidung, muß Heiner Geißlers Wunsch nach „mehr Pep“ in der Politik mißverstanden haben. Ungewohnt offen macht er in der Oktober-Ausgabe des Heftes der Regierung Kohl die Rechnung auf. Sie sei „praktisch ohne Unterlaß von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen ge-Anhang nicht nur Sorge bereite, sondern auch „schon mal Wut aufkommen läßt“. Die Sache ist insofern besonders traurig, als Rolf Clement ja findet, eigentlich sei die Politik ganz richtig, sie werde nur falsch verkauft.

Zu den markigsten Verkäufern gehört gewiß Friedrich Zimmermann. Wie er vor der Presse in Bonn wieder mal klargemacht hat, daß die Regierung praktisch mehr als das Menschenmögliche unternimmt, um den Wald zu retten, wie sie entschlossen den Ernst der Lage verdeutlicht, mit gesicherten Erkenntnissen kühlen Kopf bewahrt, verantwortliches Handeln dem umweltpolitischen Aktionismus vorzieht und in Europa bahnbrechend wirkt – da kann man einfach nur noch mit ihm gemeinsam „felsenfest davon überzeugt sein, daß der Wald nicht sterben wird“. Ein bißchen zerknittert hörte Landwirtschaftsminister Kiechle seinem Parteifreund zu, nachdem er gerade die Waldschadensbilanz 1984 verlesen hatte.

Eine Herbst-Selbstlobkampagne hat die CDU gestartet, von der sich Regierungssprecher Peter Boenisch mal gefälligst was abgucken sollte. In Flugblättern, Broschüren, Postwurfsendungen und auf Plakaten wird die Zwischenbilanz der Regierung vorgestellt und gelobt, was das Zeug hält. Alles wächst (bis auf den Wald), die Familien sind wieder intakt, die Lehrstellenrekorde jagen sich, die Renten sind gerettet und die Autos praktisch schon abgasfrei. Ohne Fleiß keinen Preis, hat Heinz Riesenhuber richtig bemerkt. Wenn man bedenkt, was die Regierung aus dem „Sauladen“ (Heiner Geißler) in so kurzer Zeit alles gemacht hat – sie ist eben wirklich preisverdächtig. Bis die Stockholmer das gemerkt haben, müssen die Bonner sich halt selbst preisen – und die Auszeichnung mit Georges Köhler teilen.

Gunter Hofmann