Zum erstenmal seit Beginn des Bürgerkriegs in El Salvador vor fünf Jahren haben sich am Montag dieser Woche Vertreter der Regierung und der Guerilla zu einem Gespräch zusammengesetzt. Das Treffen fand in dem Dorf La Palma statt, das die Guerilleros zu ihrem „befreiten Territorium“ rechnen, und allein die Tatsache, daß der Präsident und sein Verteidigungsminister dort mit sechs Führern der Guerilla vor dem Altar einer Kirche über vier Stunden verhandelten, ist in diesem gewaltreichen Land ein Wunder.

Viel mehr als die Vereinbarung, eine paritätische Kommission einzusetzen, war füglich nicht zu erwarten. Zuviel steht zwischen den Teilnehmern, zu groß sind noch die Gegensätze, und zu stark sind die Kräfte, die – auf beiden Seiten – nicht den Kompromiß, sondern den militärischen Sieg wollen. Als Erfolg zählt vorerst nur die Demonstration des guten Willens, an dem es freilich bisher gefehlt hatte.

Künftig also Worte statt Waffen? Dies wäre das zweite Wunder und Ausdruck einer doppelten Einsicht: daß nämlich eine Revolution keine Reformen ersetzt, wie im Nachbarland Nicaragua ersichtlich, und daß an Reformen kein Weg mehr vorbeiführt, auch wenn Salvadors Rechte das noch nicht glaubt. Das Treffen von La Palma könnte ein Signal werden – zur Mäßigung und zu einem mittleren Weg zwischen den Extremen.

H. B.