ZEIT: Die Regierung will die Lufthansa als weiteres Staatsunternehmen verkaufen; der Staatsanteil soll von 74 auf 51 Prozent sinken. Was halten Sie davon?

Roth: Es ist schon erstaunlich, daß der Eigentumsanteil eines durch und durch gesunden Betriebs verändert werden soll. Erstaunlich deshalb, weil sich ein Eigentümer normalerweise freut, daß sein Betrieb gut läuft. Von daher sind die Verkaufsabsichten ziemlich verklemmt.

Außerdem, das normale Vorurteil über den Staat als Unternehmer heißt ja: Er ist ein schlechter Eigentümer. Die Lufthansa ist der Gegenbeweis. Sie ist eines der erfolgreichsten Unternehmen, weit vor allen anderen Luftfahrtgesellschaften der Welt, staatlichen wie privaten. Das aus ideologischen Gründen zu privatisieren, ist nicht nur ein „bal paradox sondern ein ideologischer „bal pervers“.

ZEIT: Ist es denn Aufgabe des Staates, Unternehmer zu sein?

Roth: Privatisierung ist für mich keine ideologische Frage, auch ich halte den Bund für ziemlich unfähig, eine kleine oder mittlere Maschinenbaufirma zu halten. Das ist keine öffentliche Aufgabe.

Im Fall der Luftfahrtgesellschaften zeigt sich aber, daß rein private, deregulierte Luftfahrtbetriebe nicht erfolgreich sind. Zusammenbrüche in den USA zeigen das. Auf diesem Gebiet herrschen chaotische Marktverhältnisse, und aus guten Gründen ist die Lufthansa als Betrieb mit öffentlichem Eigentümer konzipiert worden. Der Erfolg gibt diesem Konzept recht. Jeder Fachmann des internationalen Luftverkehrs leckt sich die Finger nach der Lufthansa.

Die Bundesregierung muß jetzt erst einmal begründen, weshalb sie marode, konkursreife Unternehmen wie Arbed Saarstahl de facto verstaatlicht, und ein im Vergleich zu privaten Gesellschaften (von Pan Am bis Eastern Airways) erfolgreiches Unternehmen aus der öffentlichen Kontrolle entläßt.