Im Lager der kommunalen Sparkassen und ihrer Landesbanken-Girozentralen erhitzt zur Zeit eine heftige Diskussion die Gemüter. Das Problem, um das es geht, ist zum Teil selbstgebastelt, zum Teil von Wettbewerbern aufgezwungen worden.

Der Anfang der Geschichte spielt im hohen Norden des Landes, wo die Stadtsparkasse Lübeck, die mit der Volksbank und der Lübecker Handelsbank im Wettbewerb steht, wie ihre Konkurrenten das Recht haben wollte, zur Refinanzierung ihres Aktivgeschäfts Inhaberschuldverschreibungen bis zum Dreifachen des haftenden Eigenkapitals auszugeben. Was alle anderen Kreditinstitute dürfen, ist den kommunalen Sparkassen durch die Landessparkassengesetze verwehrt.

Die Lübecker Sparkasse bat ihren Sparkassenverband Schleswig-Holstein um Stellungnahme. Der mußte die Landesbank-Girozentrale in Kiel befragen, weil das Emissionsrecht für Inhaberschuldverschreibungen nach der Arbeitsteilung im Sparkassenlager bei den Girozentralen liegt. Der Landesbankvorstand hatte nichts gegen die Emission durch Sparkassen und empfahl, das Sparkassengesetz des Landes entsprechend zu ändern.

Gerd Lausen, der Kieler Landesbankchef, hob das Thema dann auf die Bundesebene, indem er den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Bonn von den Kieler Wünschen in Kenntnis setzte. Präsident Helmut Geiger und sein Verbandsvorstand hatten deshalb am 15. Oktober zu entscheiden, ob sie – erstens – die alte Beschlußlage bestätigen und den Emissionswunsch der Sparkassen ablehnen oder – zweitens – den Sparkassenwunsch erfüllen oder – drittens – durch Ausnahmeregelungen einen Kompromiß schließen wollen.

Der Vorstand hat sich für den Kompromiß entschieden. Die Sparkassen sollen sich grundsätzlich an die traditionelle Arbeitsteilung halten: Die Sparkassen sind Universalbanken, die Girozentralen Emissionshäuser. Danach müssen sich die Sparkassen im Normalfall der Gemeinschaftslösung bedienen. Das heißt, wenn eine Sparkasse Inhaberschuldverschreibungen ihrer Landesbank-Girozentrale verkauft, dann soll sie die Möglichkeit haben, das Geld, das sie an die Landesbank abführen muß, zu „honorigen Sätzen“ zu Refinanzierungszwecken wieder auszuleihen. Das dürfte meist günstiger sein, als wenn die Sparkasse selbst das Recht hätte, eigene Inhaberschuldverschreibungen auszugeben, wofür sie den Marktzins bezahlen müßte. Nur in solchen Fällen, in denen es aus Gründen der örtlichen Wettbewerbsverhältnisse zweckmäßig ist, eigene Inhaberpapiere zu plazieren, wird der Sparkasse die Emission ausnahmsweise gestattet.

Das ist eine Entscheidung, die Politikern alle Ehre machen könnte: Keiner wird verprellt, alle dürfen machen, was sie wollen. Machte tatsächlich jede Sparkasse von der neuen Wohltat Gebrauch, wäre es um den Verbund geschehen. Kenner des Sparkassenlagers sind jedoch voller Hoffnung, daß sich nicht viel ändern wird. Von den 592 kommunalen Sparkassen geben schon bisher nur 236 die ihnen erlaubten Sparkassenobligationen (Order- und Namenspapiere) aus – das ist weniger als die Hälfte. Wesentlich weniger, so schätzen Insider, würden von dem neuen Recht Gebrauch machen, Inhaberpapiere auszugeben.

Es werden im wesentlichen, so orakeln die Auguren, zwei Sparkassen im Umkreis von Hamburg und die Sparkassen in Lübeck und in Kiel sein. Im Ruhrgebiet werden wenige große Sparkassen interessiert sein, ebenso in Frankfurt. Also eine „Lex Lausen“?