Der Staat macht es den Wirtschaftskriminellen besonders leicht

Von Wolfgang Hoffmann

Beim Amtsgericht in Bonn sind dieser Tage zwei Insolvenzen gemeldet worden, jede für sich ein typischer Fall. Unter dem Aktenzeichen 15 N 67/84 registrierte das Gericht den Konkurs des alteingesessenen und bislang stets als grundsolide bekannten Meckenheimer Bauunternehmers Josef Weiler. Weiler hatte offenbar zuviel Geld in Grundstücke investiert, die er nicht einmal mehr zum Einstandspreis verkaufen konnte. Pech. Eine Pleite, wie sie jedem passieren kann. Ehrenrühriges ist nicht dran.

Anders im zweiten Fall. Unter dem Aktenzeichen 15 N 66/84 ist der Konkurs des Bauplanungsunternehmers Bert Düsterhus, ebenfalls aus Meckenheim, aktenkundig geworden. Düsterhus machte Pleite, weil er ganz offenbar Firmengelder für private Zwecke mißbraucht hat. Nicht umsonst hat sich der Bauplaner auf und davon gemacht. Hinterlassen hat der Bankrotteur unbezahlte Rechnungen in Höhe von einigen hunderttausend Mark. Ein Dutzend kleiner Handwerker steht nun gleichfalls vor dem Ruin. Sie haben für Düsterhus gearbeitet und ihm vertraut.

Ein Bankrott wie der von Düsterhus ist eine der häufigsten Formen des Wirtschaftsbetrugs. Unter den bundesweit erfaßten Wirtschaftsstraftaten liegt der Anteil der Bankrottfälle zwischen 22,6 Prozent (1975) und 19,3 Prozent (1982). Die genaue Höhe der dabei angerichteten Bankrottschäden ist schwer zu quantifizieren, doch es gibt Schätzungen: drei Viertel aller Konkurse (1983 waren es insgesamt 16 056) werden mangels Masse nicht eröffnet. Die Gesamtschäden werden auf 24 Milliarden Mark beziffert. 330 000 Menschen verlieren dabei insolvenzbedingt erst einmal ihren Job. Bei zehn Prozent aller Insolvenzen ist eine Straftat im Spiel – demnach läge der von Bankrotteuren mit kriminellen Mitteln angerichtete Schaden bei 2,4 Milliarden Mark.

Das ist reichlich genug, vermutlich aber viel zu gering geschätzt. Karlhans Liebl vom Freiburger Max-Planck-Institut für Strafrecht meint, daß Insolvenzen und ihr möglicher krimineller Hintergrund bisher nicht genau genug erforscht sind. Bei der Auswertung vorhandener Insolvenz-Statistiken gewann er eine Reihe wichtiger Erkenntnisse, die vermuten lassen, daß die bekanntwerdenden Bankrotte nur die Spitze des Eisbergs sind. Liebl fand heraus, daß die Strafverfolgungsbehörden Konkursstraftaten nicht ernst genug nehmen, daß die Zusammenarbeit zwischen den zivilen Konkursverwaltern und der Strafjustiz nicht eng genug ist, und daß die Strafen für Konkursvergehen viel zu milde ausfallen. Liebl formulierte daraus eine These: "Die Analyse der Strafverfolgung von Konkursen läßt vermuten, daß eine milde Sanktionierungspraxis der Strafverfolgungsorgane zur Konkursplanung reizt."

Auf Bruch